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Analyse: Wie viel Risiko kann man gegen Salzburg gehen? Die Erkenntnisse aus dem Spitzenspiel der Österreichischen Bundesliga!

Durch den durchwachsenen Start von Sturm Graz in das Frühjahr der Meisterschaft 2017/18 gab es bereits in der 24. Runde der Tipico Bundesliga eine Art „Meisterschaftsfinale“. Sollten die Bullen aus der Mozartstadt das Spiel für sich entscheiden, so sollten wohl keine Zweifel mehr aufkommen, wer in dieser Saison die Meisterschale in die Höhe streckt. Nach 90 spannenden und intensiven Minuten ist das die Realität, die viele Personen in Fußball-Österreich aber noch nicht so recht wahr haben wollen. Und zwar mit gutem Grund, denn Sturm zeigte im Spitzenspiel Erster gegen Zweiter, was in ihnen steckt!

 

Eine Spiel-Analyse von Stefan Schoberer

Heiko Vogel bekam nach nur einem Punkt aus drei Spielen bereits einige kritische Fragen zu beantworten. Vor dem schweren Heimspiel gegen Salzburg war der Druck natürlich groß, beträgt der Rückstand auf den Serienmeister bei einer drohenden Niederlage doch bereits 10 Punkte. Nachdem Vogel zu Beginn des Frühjahrs auf ein 4-1-4-1 setzte, ließ er seine Mannen zuletzt in einem 5-4-1 auflaufen, was für Stabilität in der Defensive und Ruhe im Spielaufbau sorgen sollte. Red Bull Salzburg begann nach dem Aufstieg ins Europa-League-Achtelfinale am Donnerstag mit kleinen personellen Veränderungen, aber wieder im gewohnten 4-4-2 mit Mittelfeldraute.

Salzburg wurde das Spiel erwartungsgemäß überlassen, Sturm konzentrierte sich auf eine stabile Defensive und schnelle Umschaltmomente in die Offensive. Die Außenspieler der Bullen-Mittelfeldraute (Berisha und Yabo) rückten oft weit ins Zentrum ein und versuchten sich zusammen mit Hannes Wolf zwischen den Linien der Grazer anzubieten. Gulbrandsen und Dabbur verweilten derweilen auf der letzten Verteidigungslinie der Grazer, versuchten die Innenverteidiger dort zu binden. Sturm baute ihre Pressinglinie knapp hinter der Mittellinie auf, Eze blieb als Solospitze öfters weiter vorne um die langen Pässe nach Ballgewinn dort behaupten zu können oder ansonsten zumindest die Innenverteidigung zu stören. Salzburg hingegen agierte im Aufbau mit einer Asynchronen 2-3 Struktur, wobei Rechtsverteidiger Stefan Lainer eindeutig höher stand als sein gegenüber Andreas Ulmer.

Abb.1.: Ramalho und Caleta-Car bauen auf, Samassekou unterstütz die beiden in der Zentrale etwas höher. Hier gut zu erkennen, Ulmer steht auf Links deutlich tiefer als Lainer gegenüber (Asynchroner Spielaufbau). Sturm im 5-4-1 mit dem Fokus auf der Sicherung der Zentrale, versuchte nach dem Anspiel auf Außen dann stets zu Doppeln, was aber aufgrund des guten Positionsspiels von Yabo und Berischa, die die Grazer Außenverteidiger meist binden konnten, nicht immer funktionierte.

Die Heimischen machten ihre Aufgabe in den ersten 45 Minuten aber recht ordentlich, stellten defensiv zu. Die viel bespielten flachen Diagonalpässe in der letzten Linie (meisten von Außenverteidiger auf ballnahen Stürmer), für welche Marco Rose’s Spiel steht, wurden durch Zulj und Lovric meist zugestellt bzw. abgelaufen. Sturm konnte in Umschaltmomenten immer wieder auf die Robustheit und Schnelligkeit von Eze setzen, der den Ball vorwiegend gut behaupten konnte und so wiederholt für Gefahr sorgte. Die Grazer gingen außerdem kein Risiko ein und spielten nach Ballgewinn mehrfach einen langen Vertikalpass Richtung Eze, um das Gegenpressing der Salzburger so effektiv überspielen zu können.

Abb.2: Sturm stand zwar gegen den Ball Tief, wusste sich aber klug zu positionieren, um nach Ballgewinn Anspielstationen in die Offensive zu finden. Salzburgs Restverteidigung im Mittelfeld besteht hier zwar nur aus Samassekou, die Bullen schalten aber blitzschnell um und bewegen sich sofort Richtung Torsicherung.

Im zweiten Spielabschnitt war Salzburg noch dominanter als zuvor, bestach vor allem durch individuelle Klasse und schlaues Positionsspiel. Die Mannorientierung der Blackys wurde dadurch überspielt, Sturms Defensive geriet vehement unter Druck. Die Gegenbewegungen der beiden Salzburger Spitzen mit deren Außenspielern, die dann die Tiefe suchten, machte die Probleme der Mannorientierung in der Defensive sichtbar. Dabbur und Gulbrandsen lockten die Innenverteidiger immer aus der Kette heraus, wodurch dahinter Raum entstand, den die Außenspieler zu nutzen wussten. Durch das hochschieben der ballseitigen Außenverteidiger entstanden auf Außen zusätzliche Anspielstationen, die dann zusätzlich aus dem Halbfeld gefährlich werden konnten.

Abb.3: Eine dieser Gegenbewegungen führte zum zwischenzeitlichen 2:1 Führungstreffer der Gäste, Berisha und Dabbur wechselten zuvor die Positionen. Berisha kommt dem Ballführenden Samassekou entgegen, wird dabei von Spendlhofer aus der Kette begleitet. Dabbur zieht dahinter in den entstandenen Raum, der durch die individuelle Qualität des Tabellenführers natürlich ideal bespielt wird.

Fazit

Ein vielschichtiges Spitzenspiel, das mit Salzburg den verdienten Sieger hervor brachte. Sturm stand Defensiv gut, presste aber nicht in Vogel’scher Manier vorne drauf, weil man dadurch schlicht und einfach in das offene Messer laufen würde. Der Qualitätsnachweiß des Serienmeisters ist nicht nur auf nationaler Ebene zu bewundern, auch heuer werden die Bullen in der Meisterschaft wohl nicht mehr von vorne verdrängt werden können. Auch wenn Sturm deren spielerische Qualitäten auch zeigen konnte, gilt es für sie jetzt zeitnah einen ersten Sieg unter Heiko Vogel einzufahren, will man nicht noch den mit der Champions-League-Quali verbundenen Vizemeistertitel aus der Hand geben. Salzburg ist in Österreich das Maß aller Dinge, daran hat sich auch 2018 nichts geändert.

 

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