Vereinsbetreuer werden

VdF-Chef Gernot Zirngast: "Viele Funktionäre ahnen nicht, was für Vereinbarungen sie abschließen!"

Gernot ZirngastDer große Tag rückt näher: Am Freitag, den 22. November (08:45 - 18:00) steht der LIGAPORTAL-Kongress 2013 im Courtyard Hotel Linz auf dem Programm (» hier gibt's alle Infos). Mit dieser Veranstaltung setzt das LIGAPORTAL erneut einen Meilenstein und bietet Funktionären aus ganz Österreich eine eintägige professionelle Fortbildung an. Im Expertentalk zum brisanten Thema "Schwarzgeld im Amateurfußball" gastiert danach neben Stefan Reiter, Dir. Jörg Rigger, Dr. Karl Irndorfer und Gottfried Kaspar auch Gernot Zirngast, Vorsitzender der Vereinigung für Fußballer (VdF). Er legt allen Funktionären die Kongress-Teilnahme ganz besonders nahe.

"Jeder verantwortungsvolle Funktionär sollte sich das anhören!"

Schwarzgeldzahlungen im österreichischen Amateurfußball sind heutzutage keine Ausnahme. Meist begründen sich diese aber nicht in unfairen Hintergedanken, sondern werden unbewusst getätigt. "Viele Funktionäre ahnen gar nicht, was für Vereinbarungen sie abschließen. Da steckt viel mehr dahinter, als sie glauben", sagt Gernot Zirngast, Vorsitzender der Vereinigung für Fußballer (VdF). Mit ein Grund, weshalb die Problematik der Schwarzgeldzahlungen ganz oben auf der Liste der Tagesordnungspunkte beim großen Ligaportal-Kongress steht. "Ich hoffe, dass viele Funktionäre das in Anspruch nehmen, weil viele Dinge, die da angesprochen werden, sehr wichtig sind. Für jeden verantwortungsvollen Funktionär wäre es wichtig, sich das anzuhören", begrüßt Zirngast die Veranstaltung von ligaportal.at. 

Aufwandsentschädigungen und die Gefahr, sich strafbar zu machen

Der Vorsitzende sieht vor allem ein Hauptproblem: "Leider Gottes hat sich in den letzten Jahren die Geschichte verfestigt, dass Klubs, obwohl sie Amateurevereine sind und Spieler eigentlich nicht beschäftigen, trotzdem wie ein Profiverein agieren wollen. Sie arbeiten mit Fixa und Punkteprämien, obwohl sie gar nicht wissen, was das heißt." So sei es etwa ein großer Unterschied, ob man den getätigten Aufwand oder ein Fixum zahle. Diese Dinge würden im Kongress herausgearbeitet werden, "damit jeder wisse, wie er sich zu verhalten habe und niemand Gefahr laufe, sich strafbar zu machen", so Zirngast.

Insbesondere das Thema Aufwandsentschädigung ist mit einigen wichtigen Punkten verknüpft. Zum einen "muss ein Spieler, der die 540€-Aufwandsentschädigung bekommt, diesen Aufwand auch haben", erklärt der VdF-Vorsitzende. Weiters sei entscheidend, dass er nicht arbeitslos und es nicht sein Hauptberuf sein dürfe sowie, dass er seinen Hauptwohnsitz in Österreich haben müsse. Für Spieler ausländischer Herkunft, die in Österreich wohnen, gelten demnach dieselben Regelungen wie für inländische Spieler. Bei Legionären, die in einem anderen Land wohnhaft sind, verhält es sich anders. "Diese Spieler dürfen keine steuerfreie Aufwandsentschädigung und auch kein Kilometergeld erhalten. Jeder Euro, den dieser Spieler bekommt, muss mit 20 Prozent versteuert werden", warnt Gernot Zirngast. In dieser Angelegenheit sei er ganz sicher, dass das die Wenigsten machen würden. "Die ganzen Gremien für dumm zu verkaufen, davon würde ich stark abraten. Es nimmt einem keiner ab, dass solche Spieler zum Spaß am Wochenende nach Österreich kommen, um Fußball zu spielen."

"Das war überfällig!"

Diesbezüglich sieht er große Verfehlungen seitens des österreichischen Fußballbundes (ÖFB) und bietet folgenden Lösungsvorschlag an: Bei jedem Spieler, der nicht in Österreich wohnhaft sei, solle der Verein seine Anmeldung beim Finanzamt sowie seine Bestätigung der Sozialversicherung nachweisen. "Ich glaube, wenn man rein die gesetzlichen Rahmenbedingungen hernimmt, würden 80 Prozent der ausländischen Spieler wegfallen. Und dann brauche ich auch keine Eigenbau- oder Verbandsspielerregelung, die ohnehin nicht das bringt, was sie verspricht", ist Zirngast überzeugt. Dass mit Beginn der aktuellen Saison die Ausländerregelung im Amateurfußball ad acta gelegt wurde, beurteilt der Vorsitzende positiv. "Das war absolut überfällig. Es muss möglich sein, dass alle, die in Österreich ihren Lebensmittelpunkt haben, hier ohne Nachteile Fußball spielen können." 

Unterscheidung Amateur- und Vertragsspieler

Auch in anderer Hinsicht nimmt Zirngast den ÖFB in die Pflicht. Bei den Anmeldemodalitäten der einzelnen Spieler fordert er eine klare Unterscheidung bezüglich Amateur- und Vertragsspieler. Dadurch könne das Geschäft offener und ehrlicher werden. "Ein Beispiel: Ein Journalist bekommt ein Fixum von 250€, hat eine geringfügige Beschäftigung und die Pflicht, das und das dafür zu machen. Da kann er nicht daheim bleiben, sonst hat der Arbeitgeber die Möglichkeit auf Schadenersatz. So müsste es auch im Fußball sein. Wenn nämlich ein Spieler sagt, er spiele für 540€ Aufwandsentschädigung, schaut der Verein durch die Finger, wenn er plötzlich aufhört. Vom Regulativ her kann er als Amateur nicht belangt werden. Das Problem entsteht, weil die Vereine einerseits als Arbeitgeber agieren, rein rechtlich aber keiner sind." Doch das ist nur einer von vielen Punkten, die in der Ligaportal-Expertenrunde diskutiert werden. Zirngast unterstreicht daher nochmals die Wichtigkeit der Teilnahme am Ligaportal-Kongress: "Diese Geschichte ist absolut positiv, es ist eine sehr gute Sache, dass es diese Veranstaltung in Linz gibt. Denn die Veranstaltungen, die der ÖFB macht, sind nicht wirklich zielführend und nachhaltig."

LIGAPORTAL.AT und das IPO - Institut für Personal- und Organisationsentwicklung in Wirtschaft und Verwaltung an der Johannes Kepler Universität Linz (JKU) - laden zum LIGAPORTAL-Kongress 2013 am Freitag, den 22. November (08:45 - 18:00) im Courtyard Hotel Linz ein.

 

LIGAPORTAL-Kongress: Programm

 

Infos und Anmeldung unter kongress.ligaportal.at

 

Bild: www.vdf.at