Abschied von Rapid-Präsident Michael Krammer: „Pass ma auf mei Rapid auf“

Am kommenden Montag wird es spannend in Wien-Hütteldorf, wenn die Mitglieder des SK Rapid Wien einen neuen Präsidenten wählen. Erstmals in der 120-jährigen Klubgeschichte treten zwei Listen bei der Stichwahl an. Auf der einen Seite steht die „Liste Grün-Weiß“ mit Spitzenkandidat Roland Schmid, auf der anderen die „Liste Leitbild Rapid“ mit Martin Bruckner. Die anstehende Rapid-Wahl bedeutet auch das Ende der sechsjährigen Präsidentschafts-Ära von Michael Krammer. Der scheidende Rapid-Präsident hielt am Donnerstag seine letzte Pressekonferenz ab und zog dabei Bilanz. 

Foto: SK Rapid Wien

Michael Krammer über damaligen Barisic-Rauswurf: "Das war ein entscheidender Fehler"

Während die Bilanz aus wirtschaftlicher Hinsicht vollends positiv ausfiel, gab der scheidende Rapid-Präsident im sportlichen Bereich Fehler zu. Zunächst zählte der 59-Jährige die durchaus beachtlichen Erfolge in seiner Amtszeit auf (3x Vizemeister, 2x Cupfinale, 4x Europa-League-Gruppenphase, 2x europäisch überwintert). „Aber wir haben uns deutlich mehr erwartet, was jetzt die Leistungen der Kampfmannschaft betrifft“, gab Krammer zu.

Die Freistellung des damaligen Trainers Zoran Barisic im Sommer 2016 betrachtet Michael Krammer nun als Schlüsselereignis, warum man vor allem auf nationaler Ebene nicht so erfolgreich gewesen sei. „Wir haben in den ersten drei Jahren mit Trainer Zoki Barisic einen kontinuierlichen Weg eingeschlagen. Und wir haben uns dann dazu verleiten lassen - durch das neue Stadion, durch neue finanzielle Möglichkeiten, auch Transfers zu tätigen, zu glauben, es gibt nicht nur den kontinuierlichen Weg zum Erfolg, sonder es gibt eine Abkürzung. Wir wollten es damals einfach erzwingen, um einen Titel zu gewinnen“, erklärte Krammer.

„Mit der Weisheit des Rückblickes kann ich sagen: Das war ein entscheidender Fehler. Wir haben damit den Zug in die falsche Richtung gelenkt. In Wahrheit war das der Holzweg“, fuhr der Noch-Rapid-Präsident fort. „Gott sei dank haben wir nach zwei Jahren auf dem Holzweg eine Korrekturänderung vorgenommen und eine Kursänderung vorgenommen. Diesen Weg sollten wir nachhaltig beschreiten und weitergehen“, lautet Krammers Appell an seinen Nachfolger. 

„Wahlkampf sind Zeiten fokussierter Unintelligenz“

Der aktuellen „Schlammschlacht“ im Wahlkampf um seinen Nachfolger kann Krammer nichts abgewinnen: „Wenn ich etwas Positives heraussuchen will, dann ist es, dass viel über Rapid geschrieben, berichtet und gesendet wird und damit der Markenname Rapid weiter in aller Munde ist. Allerdings muss man immer auch schauen, in welchem Kontext das Nennen dieses Namens steht. Und da bin ich mir dann schon nicht mehr so sicher, ob das auch nur ansatzweise was Positives ist", stellte Michael Krammer klar, der immer wieder den von Michael Häupl geprägten Spruch „Wahlkampf sind Zeiten fokussierter Unintelligenz“ bediente. 

Erstmals in der Geschichte des Vereins geht die Abstimmung eines neuen Präsidenten anders als es die Vereinsstatuten vorsehen (Wahlkomitee sollte sich auf eine Liste festlegen und diese empfehlen) über die Bühne. Diesem Umstand kann der scheidende Präsident nichts abgewinnen: „Diejenigen, die die Statuten formuliert haben, haben schon gewusst, warum sie geschrieben haben: ‚Nach Möglichkeit eine Liste‘. Das ist nicht gelungen, und jetzt sehen wir die Effekte daraus. Man muss sich Gedanken machen, wie man so einen Wahlkampf, der Rapid definitiv nicht nützt, verhindern kann.“

Krammer auch in Zukunft "Logenbesitzer"

Auch in Zukunft wird Krammer die Rapid-Heimspiele im Stadion verfolgen: „Ich habe mir schon zu Beginn dieser Saison - in weiser Voraussicht - eine freiwerdende Loge für die nächsten drei Jahre gesichert. Sie ist auch schon eingerichtet und werde die Spiele von dort aus beobachten“, verriet Michael Krammer, der seine letzte Pressekonferenz mit den Worten „Pass ma auf mei Rapid auf“ beendete. 

Tabelle Tipico Bundesliga

 

Von Daniel Ringsmuth

 

DAZN: Champions & Europa League, Top-Fußball live - jetzt Gratismonat starten