WM-Affäre: Zwanziger kritisiert FIFA und Bundesanwaltschaft

Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger hat den Weltverband FIFA für den Umgang mit der deutschen Affäre um die Fußball-WM 2006 scharf kritisiert. "Sie tut nichts", sagte der 73-Jährige der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ): "Das ist für mich ungetreue Geschäftsbesorgung. Zumindest geht sie leichtfertig mit ihrem Vermögen um." Außerdem macht der Jurist der Schweizer Bundesanwaltschaft (BA) schwere Vorwürfe. Jetzt Fußballreise buchen!
In Bezug auf die WM 2006: Zwanziger kritisiert die FIFA

In Bezug auf die WM 2006: Zwanziger kritisiert die FIFA

"Also wenn die Bundesanwaltschaft gegen Theo Zwanziger in Deutschland ermittelt und den FIFA-Chef Gianni Infantino schützt, der vor ihrer Tür sitzt, kann ich nur lachen", sagte Zwanziger: "Die sitzen auf einem sehr hohen Ross. Das erscheint mir schon längst als Amtsmissbrauch."

Die BA ermittelt seit 2016 gegen die damaligen Macher des deutschen Sommermärchens Franz Beckenbauer, Zwanziger, Wolfgang Niersbach und Horst R. Schmidt sowie gegen den früheren FIFA-Generalsekretär Urs Linsi. Bisher ist noch kein Fall zur Anklage gekommen. Im Kern der Untersuchung steht die Rückzahlung der weiterhin dubiosen 6,7 Millionen Euro vom DFB über die FIFA an den früheren adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus im Jahr 2005.

"Dafür ist die deutsche Staatsanwaltschaft zuständig. Dem muss ich mich stellen", sagte Zwanziger: "Aber die Schweizer, die jahrzehntelang deutsche Staatsbürger in der Schweiz geschützt und mit ihren Steuerhinterziehungen gedeckt haben, fangen jetzt an, Sachverhalte, die in Deutschland stattgefunden haben, gegenüber deutschen Staatsbürgern aufklären zu wollen. Das ist abwegig."

Nach Ansicht des ehemaligen DFB-Chefs würden Staatsanwälte "gerne Angst und Schrecken" verbreiten. "Es ist unerträglich, dass man mit groß angekündigten Einleitungsverfügungen verfolgt, durch die Medien getrieben und vorverurteilt wird. Und dann hört man nichts mehr, jahrelang", sagte er.

Der FIFA wirft er vor, den vorausgegangenen Geldfluss der 6,7 Millionen im Jahr 2002 an den Skandalfunktionär Mohamed Bin Hammam (Katar) nicht zu verfolgen. "Die FIFA müsste das Geld von Bin Hammam zurückfordern", sagte Zwanziger: "Wenn man glaubt, geschädigt zu sein, soll man das Geld doch in Katar holen, also dort, wo es gelandet ist. Und nicht bei mir."

 

SID

 

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