Der SV Kraig hat nicht nur zum Meisterschaftsbetrieb etwas zu sagen!

Der SV Hirter Kraig beendete die Herbstsaison auf Platz 13, wobei in der Kärntner Liga bekanntlich einige Herbstpartien ausstehend sind. Kraig selbst hat ebenfalls noch keine vollständige Halbrunde absolviert. Der stark im Verein eingebundene Trainer Stefan Weitensfelder sorgt sich nicht nur um den eigenen Spielbetrieb-, sondern um den Sport als Gesamtes in Österreich.

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Stefan Weitensfelder sorgt sich um den gesamten Sportbetrieb und fordert die Verbände zu mehr Aktivität auf. Foto: SOBE

Jeder Punkt zählt

3-3-7 lautet die Bilanz der Mittelkärntner im abgelaufenen Jahr, von Beginn an gab der Trainer den Abstiegskampf als Tagesappell aus. “Wir wussten, dass wir mit dieser unroutinierten Elf eher im hinteren Drittel spielen werden”, erinnert sich Weitensfelder, der hauptberuflich in der Kärntner Sportadministration tätig ist. Bei den drei Siegen sticht der Erfolg in Ferlach glänzend hervor.

Michael Kulnik als Führungsspieler geholt

Um Routine in die Truppe zu bringen (“spielten fallweise mit einem 24-jährigen als ältesten Spieler”) holte Kraig im Winter Michael Kulnik (Velden) als verlängerten Arm des Trainers am Platz. Der zweitligaerfahrene Angreifer kann sich derzeit mangels gemeinsamen Trainings nicht in die Mannschaft integrieren, wie Weitensfelder ausführt: “Ich bin ein Verfechter von Wintertransfers, eben weil man da normal 8-10 Wochen Zeit hat neue Spieler in die Truppe einzuführen. Im Sommer muss jeder praktisch sofort funktionieren, auch zwischenmenschlich.”

“Individualtraining ersetzt das Kontakttraining nicht!”

Einen Trainingsstart im April mit anschließendem Mammutprogramm im Mai & Juni sieht Weitensfelder problematisch: “Sicher können wir Individualtraining betreiben, aber diese Steigerungsläufe und das Krafttraining sind nicht dasselbe wie das Training mit dem Ball und Zweikämpfen. Das wird extrem happig, weil der erforderliche körperliche Zustand vieler Spieler einfach nicht gegeben sein wird.”

Die englischen Runden als körperliches und soziales Problem

Zusätzlich verschärft sich die labile Situation mit sozialen Verpflichtungen oder Bedürfnissen der Spieler: “Wenn wir jeden Freitag und Sonntag spielen, werden viele den Trainern sagen, dass ihre Familien, ihr Studium oder einfach ihre weiteren Interessen ebenfalls noch Aufmerksamkeit benötigen. Wir sind doch keine Profis, alle haben Familien, Ausbildungen oder weitere Hobbys. Fußball ist da nur ein Teil ihres Lebens. Das ist eine große Herausforderung. Die Verletzungsgefahr wegen mangelnder Regenerationszeiten mag ich mir erst gar nicht ausmalen.”

Zusätzlich zu Kulnik kam noch Dieter Gurmann (Metnitz) zu Kraig, Elias Hant & Betim Tifek (St. Veit) verließen den Club, “Wir wünschen beiden alles Gute für die weitere Karriere.”

Die Jugend wieder zum Sport zurückzubringen als Herkulesaufgabe

Für Weitensfelder haben sich sowohl der ÖFB als auch der KFV während der Pandemie zu sehr auf den Profi- & Spitzensport fixiert. “Der Breitensport und vor allem die Jugend gingen dabei etwas unter.” Das wird seiner Meinung nach, nicht nur im Fußball, gravierend auswirken: “Die Kinder können wir wohl relativ rasch wieder dazu motivieren, auf den Platz zurückzukehren. Aber was ist mit den Älteren? Was ist mit jenen, die im letzten Jahr die Playstation oder andere eher bewegungsarme Aktivitäten tagfüllend für sich entdeckten? Es wird sehr schwierig, diese Jugendlichen wieder zurück zum Sport zu bringen.”

Mit massiven Auswirkungen auf vielen Ebenen: “Nicht nur wegen der Gesundheit der Jugendlichen. Diese Jahrgänge gehen dem Sport und damit auch einmal den Kampfmannschaften ab.”

Mit weniger Jugendlichen am Platz verteuert sich der Spielbetrieb vom Nachwuchs pro Nachwuchskicker, für Weitensfelder eine fatale Entwicklung: “Da werden dann einige noch mehr in die Kampfmannschaften investieren. Das heizt dann wieder die Kosten der Vereine an.”

Für den erfahrenen Jugendcoach ist ohnehin schon hart genug Jugendliche an der Schwelle zu den Erwachsenen beim Sport zu halten. “Die Pandemie bewirkt, dass wir sie erst mal auf die Plätze zurückbringen müssen, eine schwere Aufgabe sich nochmals krass verschärft. Hier sind nicht nur der ÖFB und der KFV, sondern alle Sportverbände gefordert”.

In Kraig selbst gibt es nach der Öffnung der Sportplätze morgen Montag einen Blitzstart, am Dienstag geht es bereits los und Weitensfelder hofft auf eine rege Beteiligung. Er fühlt sich in Kraig wohl: “das ist hier ein kleiner Verein, wie eine Familie. Da helfen so viele mit, da kann man nur 100x Danke sagen!”

 

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