Skandalspiel Ebelsberg vs. Zöhrdorf - was wirklich geschah

altaltDas Reservespiel zwischen der ASKÖ Ebelsberg Linz und der ASKÖ Zöhrdorf Linz wird als eine der skandalträchtigsten Unterhaus-Partien der Geschichte in Erinnerung bleiben, soviel ist klar. Die Verantwortlichen beider Vereine möchten allerdings die Gelegenheit nutzen und auf unterhaus.at mit all den Mutmaßungen und Gerüchten aufräumen, ihre Sicht der Dinge schildern. Lesen Sie hier, was am Samstagnachmittag auf dem Ebelsberger Sportplatz wirklich geschah:

 

Fußtritt gegen Kopf als wirklicher Eskalationsgrund

Es lief die 75. Minute im Reservematch zwischen Ebelsberg und Zöhrdorf. Nachdem die Gäste bereits mit 2:1 in Führung gewesen waren, konnte Ebelsberg das Match drehen und führte ab der 73. Minute mit 4:2. "Vielleicht war auch das ein Mitgrund für die späteren Geschehnisse, womöglich waren die Spieler aufgrund dieser Wende aufgebracht", vermutet Zöhrdorfs sportlicher Leiter Ernst Hubich. Zurück zur 75. Minute, Zöhrdorfs Fidaim S. hatte den Ball und wurde von Ebelsbergs Darko R. schwer gefoult, ein rotwürdiges Vergehen. Fidaim S. war erbost und stellte seinen Kontrahenten, Nase an Nase. Dann landete allerdings ein Faustschlag im Gesicht von Darko R., der zu Boden ging. Nun waren auch weitere Spieler der beiden Parteien herbeigeeilt, um sich einzumischen bzw. die Situation zu beruhigen.

Es folgte eine Aktion, die zur späteren Eskalation führte, Andreas Baurnberger, Schiedsrichter der Kampfmannschaftspartie schildert: "Den Beginn des Raufhandels habe ich nicht gesehen. Was ich aber bestätigen kann ist, dass der Zöhrdorfer Spieler mit der Nummer zwei (Sulejman F., Anm. d. Red.) - vorher völlig unbeteiligt an den Geschehnissen - im Zuge der entstandenen Rauferei auf den liegenden Ebelsberger Spieler mit der Nummer zwei (Darko R., Anm. d. Red.) zugelaufen kam und ihm mit voller Wucht mit dem Fuß gegen den Kopf schlug, als ob der Kopf des Ebelsbergers ein Ball wäre - unglaublich."

"Es war zu keinem Zeitpunkt ein Messer auf dem Spielfeld"

Die Folge dieses Schlags - Darko R. blieb bewusstlos am Boden liegen, später wurde eine Gehirnerschütterung und eine Nackenprellung diagnostiziert - war, dass nun auch die anwesenden Angehörigen des verletzten Spielers herbeieilten und sich an der Rauferei beteiligten. "Insgesamt waren dann etwa sechs Personen beteiligt, die anderen haben versucht zu schlichten, keine Rede von mehr als 20 raufenden Personen, wie das in manchen Medien geschildert wurde", sagt Hubich, der mittlerweile auch aufs Spielfeld gelaufen kam, um zu beruhigen. "Das gelang zunächst auch, ich habe die Spieler unserer Mannschaft in die Kabine geschickt und dort auch gleich sechs Akteure suspendiert, darauf hingewiesen, dass sie bei uns nie mehr Fußball spielen werden", sagt Zöhrdorfs Sportlicher Leiter. Der Schiedsrichter der Partie hatte zu diesem Zeitpunkt bereits vier rote Karten verteilt und das Spiel kurz darauf auch endgültig abgebrochen. Wenig später wurde die Rauferei allerdings vor und in der Kabine fortgesetzt, der Bruder und der Vater des verletzten Darko R. wollten die Zöhrdorfer noch einmal stellen.

"Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits Rettung und Polizei benachrichtigt, die Polizei war kurze Zeit später auch mit mehreren Einsatzwagen vor Ort. Von anderen Medien wurde behauptet, dass Stichwaffen, ja sogar Schusswaffen auf dem Sportplatz waren, was allerdings überhaupt nicht der Wahrheit entspricht. Es war zu keinem Zeitpunkt ein Messer auf dem Spielfeld, nicht beim Hineinlaufen der Zuschauer auf den Platz und auch nicht bei den Kabinen", versichert Ebelsbergs Jugendleiter Harald Schachermayr. Ernst Hubich kann bestätigen: "Auf dem Sportplatz war nie eine Waffe, nach der Rauferei bei den Kabinen sollen die Angehörigen von Darko R. zum Parkplatz gegangen sein, wo sie aber von der Polizei festgehalten wurden, da der Bruder arg zugerichtet aussah, seine Nase war gebrochen. Im Auto soll sich ein Messer befunden haben."

Falsche Spielerpässe sorgen für Verwirrung

Erst bei der Aufnahme der Personalien - vier Personen wurden verhaftet - kam nach den Geschehnissen auch noch auf, dass einige Akteure auf der Seite von Zöhrdorf unter einem falschen Spielerpass gespielt haben sollen. Unter anderem agierte Sulejman F., der Darko R. den Fußtritt gegen den Kopf verpasst hatte und später auch verhaftet wurde, unter dem Namen Martin E. "Ich bin leider erst sehr spät auf den Platz gekommen, habe deshalb nicht gesehen, wer wirklich spielen sollte. Wäre ich vorher dagewesen, hätte keiner unserer Spieler unter falschem Namen gespielt. So muss ich das natürlich auf meine Kappe nehmen", bedauert Zöhrdorfs Hubich, der sich auch zwei Tage nach dem Vorfall völlig bestürzt zeigt: "So etwas habe ich in all den Jahren noch nie erlebt. Das hat beim Fußball nichts verloren, ich möchte mit diesen Leuten nichts mehr zu tun haben. Unser Image war sowieso nicht das beste, wir waren nun etwas im Aufwind, und jetzt das." Auch Schachermayr bedauert vor allem den Imageschaden für seinen Verein: "Darko R. hat sich nicht mehr gerührt, ist regungslos am Boden gelegen, woraufhin sich seine Angehörigen an der Rauferei beteiligt haben. Das streite ich auch nicht ab. Ansonsten waren aber keine Spieler von uns aktiv beteiligt, natürlich sind sie hingelaufen, um ihren verletzten Mitspieler zu schützen, mehr aber nicht. Gerauft haben ja nur etwa sechs Leute. Dennoch ist der Imageschaden, der dadurch entstanden ist, nicht mehr rückgängig zu machen. Das ist unglaublich schade."

 

Milan Vidovic


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