„Vierziger-Jubiläum“ von Union Kleinmünchen im Schatten Coronas - Teil 1

Im heurigen Sommer hätte eine große Fete zum 40. Bestandsjubiläum von Union Kleinmünchen als bislang erfolgreichstem oberösterreichischen Frauenfußballverein steigen sollen, doch das sattsam bekannte Virus erwies sich auch hier als Spielverderber. Deshalb planen Obfrau Christine Holzmüller und Sektionsleiterin Andrea Binder für nächstes Jahr eine 40+1 Feier. Über die wechselvolle, überwiegend erfolgreiche „Vita“ der Linzerinnen richtete Ligaportal in einem umfangreichen zweiteiligen Interview 40 Fragen an die beiden unermüdlichen Stützen des aktuellen Zweitligisten:

 

Wann genau wurde 1980 die neue Mannschaft gegründet, wer hatte die Idee dazu?

Holzmüller: „Soviel ich weiß, bekam Alois Mitterndorfer, der frühere Trainer von Mauthausen, einen Anruf aus Wien von Gerhard Traxler, Obmann des USC Landhaus, ob eine Mannschaft aus Oberösterreich am ÖFB-Cup mitspielen möchte. Mitterndorfer hat ehemalige Spielerinnen der OÖFV-Meisterschaft, die bis 1974 ausgetragen wurde, angerufen und gleichzeitig einen Verein gesucht, der uns aufnimmt, das war Union Kleinmünchen. Am 16. März 1980 hatten wir unser erstes Testspiel gegen AC Mühltal in Eidenberg, das zweite Spiel am 23.März gegen Union Goldwörth, beide Spiele konnten wir gewinnen. Am 30. März 1980 fand das erste Cupspiel in Wien gegen den SC Elektra Wien statt, wir verloren 0:1, das Heimspiel ging 0:2 verloren, so war das Abenteuer Cup wieder zu Ende, aber ab Herbst stiegen wir in die Staatsliga ein, die heutige Bundesliga“.

Konnten die Gründer aus dem Vollen schöpfen, war ein großer Zulauf feststellbar, als die Gründung bekannt wurde?

Holzmüller: „Wir waren eine bunt zusammengewürfelte Mannschaft, die aus folgenden Spielerinnen bestand: von SVS Linz kamen Brigitte Stockinger, Melitta Haider, Edeltraut Sattler und meine Wenigkeit, aus Bad Schallerbach traten Erika Laus, Evi Kempinger, Kathi Schildberger, Hermi Skrabl, Romana und Anneliese Kriechmayr dem neuen Team bei; St. Martin/Traun stellte Gerda Baumann, Irmgard Mack und Maria Schlagnitweit bei; aus Mauthausen stieß Hildegard Schürz zu uns; von Edt/Lambach übersiedelten Brigitte Dickinger und Maria Sattleder nach Kleinmünchen; aus Gaflenz kamen Johanna und Resi Kellnreiter; Gabi Schneider wechselte aus Ranshofen zu uns und Herta Altenhofer aus Lichtenberg komplettierte das Fusionsteam“.

Christine, wie oft wurde trainiert, wo siehst Du die grundlegenden Unterschiede zu heute?

„Wir durften einmal in der Woche trainieren, immer am Mittwoch, ansonsten war der Platz besetzt. Heute genügt einmal pro Woche nicht mehr, wir trainieren mindestens drei Mal“.

Wie unterschieden sich die Pionierinnen in physischer Hinsicht von den heutigen Athletinnen?

„Wir hatten Kraft und Ausdauer, heute sind die Athletinnen technisch und taktisch besser ausgebildet“.

War damals je eine Frau Cheftrainerin, oder eine Frau in sonstiger leitender Funktion als Obfrau, Sektionsleiterin usw…tätig .?

„Die Mannschaft des KSV Wiener Berufsschulen hatte eine Trainerin und außerdem gab es schon einige Sektionsleiterinnen“.

1971 wurde vom OÖFV noch das Aufnahmeansuchen von 20 „Damen-Mannschaften“ abgelehnt, ihr habt aber dann schon einen Bewerb bestritten?

„Ich habe 1972 mit dem Fußballspielen bei SVS Linz begonnen, wir spielten reguläre Meisterschaft, zu dieser Zeit wurden wir keineswegs bei der Ausübung unseres Sports behindert“.

Andrea, bei welchen Vereinen warst Du vor Deinem Engagement bei der Union Kleinmünchen tätig?

Binder: "Meine Stationen als Spielerin lauteten wie folgt: ab 1982 spielte ich für ESV Ostbahn XI, ab 1984 für den KSV der Wiener Berufsschulen, ab 1988 für den DFC Obersdorf. Zwischen 1992 und 1995 musste ich meine Karriere wegen einer Bandscheibenoperation unterbrechen, feierte 1995 bei der Union Kleinmünchen mein Comeback und setzte bis 2009 meine Laufbahn fort".

Was war der Hauptantrieb für Euch in den Anfangsjahren?

„Die Liebe zum Fußball und die Möglichkeit, einen Mannschaftssport auszuüben“.

Bestand früher weit öfter die Möglichkeit oder die Bereitschaft, internationale Freundschaftsspiele oder Turniere im Ausland zu bestreiten? Wohin führten Euch die weitesten Reisen?

Holzmüller: „In den ersten Jahren meiner Kariere war „Urlaub“ kein Thema, Spiele und Turniere im Ausland waren daher jedes Mal ein Erlebnis. Ich war mit Kleinmünchen in Deutschland, Frankreich, England, Ungarn, und auf Sardinien, mit Gaflenz habe ich in Luxemburg, Holland, Spanien, Deutschland, Tschechien, Italien und Amerika gespielt“.

Gab es in den Anfangsjahren noch „Jux-Vergleiche“ mit Männerteams, wäre das jetzt noch vorstellbar?

„Ja, die gab es. Wir spielten sogar im Linzer Stadion gegen die Catcher. Mannschaften der Polizei, der Richter, von Gemeindebediensteten, Journalisten und ehemalige Promi-Kicker hatten wir als Gegner. Heute spielen wir gelegentlich in der Vorbereitung noch gegen Burschen-Mannschaften“.

Kleinmünchen schlüpfte jahrzehntelang in die Vorreiterinnen-Rolle, kam Neid bei anderen o.ö, Vereinen auf bzw. wie war das Verhältnis in den Neunziger-Jahren zu ihnen?

„Wir waren Gegner, keine Feinde, und es gab in jeder Mannschaft Spielerinnen und Funktionäre, mit denen man sich gut verstanden hat“.

Welche Teams erwiesen sich in Wien und Niederösterreich als schärfste Konkurrentinnen?

„Ostbahn XI und Union Landhaus aus Wien, später der SV Neulengbach und Spratzern, das heutige Team des SKN St.Pölten“.

Mangelt es im Moment in Oberösterreich an Gegnerinnen, mit Ausnahme der Union Geretsberg, um auch das Niveau im Frauenfußball in O.Ö. wieder zu heben?

„Nein, wir haben derzeit eine sehr junge Mannschaft und müssen erst wachsen. Viele OÖ.-Vereine arbeiten sehr gut und heben auch aktuell damit das Niveau“.

Welche Ex-Kleinmünchen-Spielerinnen waren international am erfolgreichsten?

„Gerti Stallinger, Nina Aigner, Laura Wienroither, die im ÖFB-Team und in der deutschen Bundesliga reüssier(t)en“.

Kann man dazu auch Nina Wasserbauer und Teresa Knauseder mit ihren U17- und U19-EM-Teilnahmen zählen?

„Beide sind sehr gute Spielerinnen, die leider von viele Verletzungen geplagt wurden“.

Kleinmünchen stellte immer sehr viele Spielerinnen für die O.Ö.-Auswahl und die ÖFB-Nationalteams, ist das eher große Ehre als Belastung?

"Natürlich eine große Ehre, bleibt das vorrangige das Ziel jeder Spielerin."

Österreichische Spitzenteams wie Seriensieger SV Neulengbach oder aktuell SKN St. Pölten holten immer wieder Spielerinnen von Euch, Ohnmacht wegen deren weit höherer Finanzkraft oder Genugtuung, eine tolle Ausbildungsarbeit geleistet zu haben?

Holzmüller: „Beides, denn wenn ich mir vorstelle, welche Mannschaft wir hätten, wenn alle geblieben wären, tut einem schon das Herz weh. Auf der anderen Seite sieht man die gute Arbeit in Kleinmünchen und damit die Bestätigung für das große Engagement aller Beteiligten“.

Wie erfolgreich war oder ist es, einer Spielerin oder einem Trainer(in) das Angebot eines Engagements bei Euch zu unterbreiten?

Beide: „Die Spielerinnen haben bei uns tolle Trainer und Trainerinnen und mit drei Kampfmannschaften und einer Mädchenmannschaft können wir sie auch beschäftigen. Betreuer(innen) können in einem sehr guten Trainerteam mitarbeiten“.

Früher nahmen Spielerinnen oft sehr große Strapazen auf sich, um bei Euch zu spielen, wie ist die Situation aktuell?

„Auch heute haben wir Spielerinnen, die viele Kilometer in Kauf nehmen, um Training und Spiele für uns zu absolvieren“.

Was war der Grundgedanke, 2015 das Frauenfußballzentrum für Oberösterreich (FFZOÖ) mit einigen Partnern zu gründen, wie hat es sich bisher bewährt?

„Der Gedanke war, Schule und Fußball zu verbinden. Den Talenten, welche in St. Pölten keinen Platz fanden, sollte eine Alternative geboten werden. Zu unserer großen Freude wird das FFZOÖ sehr gut angenommen“.

Werden dort nur Spielerinnen ausgebildet, die später bei der Union Kleinmünchen im Einsatz stehen?

„Nein, Es gibt einige, die weiter bei ihren Heimvereinen spielen, aber natürlich wechseln auch viele zu uns“.

Wurde sogar mit einer Briefmarke geehrt: Kleinmünchen-"Legende" Gerti Stallinger, später Kapitänin beim FC Bayern München

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