Wird der Frauenfußball in Oberösterreich ins Out gekickt? --Teil 4!

„Der Mensch lebt nicht von der Bundesliga allein“, könnte man in Abwandlung des Bibelzitates sagen, wenn die Rede auf die Entwicklung des Frauenfußballs im „Unterhaus“ in unserem Bundesland kommt. Ein objektiver Beobachter gewinnt dabei den Eindruck, dass die Basis derzeit wankt, wie manche Rückzüge von „kleineren Vereinen“ signalisieren.

Im 4. Beitrag legt Franz -Josef Bodingbauer, Cheftrainer der O.Ö. U 14- Bundesmeister-Auswahl 2019, ehemaliger Funktionär des OÖFV, Coach im U18- Bereich der Männer und aktuell des Frauen-Landesligisten TSV Ottensheim seine Überlegungen zu dieser Problematik dar:

 

Franz-Josef, ist die Ursache für die Zukunftsangst der „kleineren“ Vereine in Bestrebungen und „Fischzügen“ der Großklubs, nicht nur des LASK, zu sehen?

„Die Initiative von (Männer)-Bundesligisten, sich im Frauenfußball zu engagieren, bewerte ich grundsätzlich positiv, denn für den „Ladies-soccer“ sind sowohl Spitze als auch Breite notwendig. Ein gesundes Wachstum, etwa nach dem Vorbild des GAK, dem Start mit einer U11 und U13, die sich in einige Jahren zu einer spielstarken Frauenmannschaft entwickeln kann, begrüße ich, denn dadurch wird eine Basis geschaffen, die keine Verlierer kennt. Ein Blick über die deutsche Grenze zeigt, dass auch dort von Spitzenvereinen wie Borussia Dortmund oder Schalke 04, auch Red Bull Leipzig ein solcher Weg mit Leidenschaft beschritten wird. Den Spielerinnen wird eine tragfähige Plattform geboten und Wertschätzung entgegengebracht".

Du hast gemeinsam mit der neuen LASK-Cheftrainerin Lisa Alzner die U14- Auswahl gecoacht, wie beurteilst Du ihre Rolle bei den Transfers, hat sie so großes Pouvoir?

„Dass Lisa federführend bei den Transfers ist, davon bin ich überzeugt. Sie verfügt über ein gutes Netzwerk, kennt darüber hinaus aus ihrer aktiven Zeit genügend Akteurinnen und nützt natürlich ihr Insiderwissen“.

Ist sie durch ihre Tätigkeit als Cheftrainerin der O.Ö. U14- Mädels da besonders begünstigt?

„In dieser Funktion repräsentiert aber ein/e Auswahltrainer/in die Vereine Oberösterreichs, deshalb wird da mit großer Vorsicht agiert.“

Was traust Du ihr an Erfolgen zu?

„Sie dürfte nach meiner Einschätzung mit ihrem Team überlegen den Meistertitel in der LT1-O.Ö. Liga einfahren und ich lehne mich ein wenig aus dem Fenster: Erster mit weniger als 5 Gegentoren!

Lassen sich die fußballbegeisterten Mädels von großen Namen blenden und kehren sie deshalb aus unrealistischen Karriere-Erwartungen ihrem Stammverein den Rücken?

„Ja, aber das ist bei den Männern genauso. Ich rechne damit, dass in der Winterpause 2021/22 mangels ausreichender Einsatzzeiten auch einige Kaderspielerinnen wieder den Verein verlassen werden.“

Erwartet kann auch werden, dass im Sommer 2022 vom LASK weitere Optimierungen vorgenommen werden, denn um in der 2. Frauen-Bundesliga reüssieren zu können, wird es weiterer Verstärkungen in der Kampfmannschaft bedürfen. SV Horn, Union Kleinmünchen, aber auch voraussichtlich der SV Dornbirn werden harte Konkurrenten im Kampf um den Meistertitel sein“.

Könnte der Zusammenschluss auch von mehr als 2 „kleinen“ Vereinen (derzeit nicht erlaubt!) zu einer Spielgemeinschaft, insbesondere „auf dem Land“ zu finanzieller Konsolidierung und größerer Talente-Förderung beitragen?

„Durch allzu häufige Spielgemeinschaften, das hat sich auch im Männerfußball/Juniorenfußball gezeigt, geht die Breite verloren, Spielerinnen würden gehäuft auf der Ergänzungsbank landen und früher oder später dem Fußball verloren gehen.

Man müsste meiner Meinung nach andere Projekte oder neue Ideen kreieren, um hier den „Turnaround“ zu schaffen.

Ist der OÖFV mit schuldig am Abwärtstrend der kleinen Vereine durch zu große Nachsicht gegenüber den Großklubs (Liga-Wahl, Zwangserwerb usw.)?

„Ganz kurz: ist ein typisch österreichischer Weg, leider im Männerfußball ähnlich.“

Ist es nicht demotivierend für „rückzugswillige, gestandene Frauen-Teams“, wenn sie ZWINGEND in die unterste Spielklasse „verbannt“ werden. Während „Einsteiger“ sich eine beliebige Spielklasse „aussuchen“ können?

„Hier gilt dasselbe wie in der vorigen Frage“.

Gibt es Deiner Meinung nach auch noch andere Ursachen als die oben skizzierten für den Rückgang an Vereinen, derzeit 37, 2013 waren es noch 54?

„Die Bereitschaft zum Ehrenamt sinkt, da habe ich als Jugendbetreuer meine eignen Erfahrungen, es wird immer schwieriger, Trainer/innen zu finden, die mit ganz viel Herz ohne finanziellen Ausgleich bei der Betreuung des Nachwuchses ans Werk gehen“.

Wohin geht die Reise, wenn die ehrenamtlichen „Heinzel-frauen/männchen“ in den Unterhausvereinen ihr Engagement im Frauenfußball drastisch zurückschrauben?

„Auf lange Sicht: es wird keinen Frauenfußball mehr geben“.

Nun zu Deiner neuen Aufgabe, wie ist es dazu gekommen?

„Im Frühjahr habe ich meine Aufgaben bei der U18 der SPG Gmunden/Ohlsdorf abgegeben und bin nach sehr guten Gesprächen mit dem TSV Ottensheim beim Landesligisten gelandet. Die dortige Euphorie hat mich begeistert. Ich möchte die zahlreichen Talente weiterentwickeln, auf 1-2 Positionen streben wir noch eine Verstärkung an, mit dem Ziel, vorne mitzuspielen. Beim TSV finde ich sehr engagierte Helfer vor und denke, wir können eine tragfähige Plattform schaffen“.

Du bist beruflich an der JKU Linz tätig, setzt Du auch dort Ausrufezeichen im Frauenfußball?

„Ab kommenden Herbst wollen wir dort Trainings und Spiele für Studentinnen, die diesen tollen Sport auch im Verein ausüben, anbieten. Diese Lehrgänge werde ich leiten und sie beschränken sich nicht auf die Frauen, sondern sind auch für die männlichen Studenten geplant“.

Vielen herzlichen Dank für das Gespräch und viel Glück für alle Deine Vorhaben!

Dr.Helmut Pichler

 


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