SK St. Magdalena: "Sollten nicht über Statuten diskutieren, sondern die aktuelle Situation gemeinsam bewältigen"

Der SK St. Magdalena absolvierte in der Landesliga Ost eine starke Hinrunde und überwinterte als Dritter nur vier Punkte hinter Herbstmeister Bad Leonfelden. Die Urfahraner wollten sich auch im Frühjahr anständig präsentieren und in der Tabelle weiterhin vorne mitmischen, nach dem Abbruch der Saison muss aber auch der SKM zurück an den Start. Trainer und Sportchef Gerold Sturm nahm sich für Ligaportal Zeit für ein Interview und beantwortete aktuell interessante Fragen.

 

Herr Sturm, In der vergangenen Woche hat das ÖFB-Präsidium beschlossen, die Saison mit sofortiger Wirkung zu beenden und nicht zu werten. Können Sie diese Entscheidung nachvollziehen oder hätten Sie eine andere Option gewählt?

"Aufgrund der aktuell schwierigen Situation ist der Abbruch der Meisterschaft nachvollziehbar, auch die Annullierung der Saison ist in Ordnung. Mit diesen Entscheidungen sind nicht alle einverstanen, aber im Leben ist es nun einmal so, dass man einmal Glück und ein anderes Mal Pech hat. Ich gebe aber zu, dass die Mitnahme der Punkte oder Halbieriung der Punkte in die nächste Saison durchaus ein Option gewesen wäre. Wir sind aber froh, dass nun Klarheit darüber herrscht, dass im Frühjahr nicht mehr gespielt wird. Grundsätzlich kann ich den Ärger über den ÖFB-Beschluss nicht verstehen, zumal in diesen Tagen und Wochen im Vordergrund stehen sollte, die Krise in den Griff zu bekommen. Zudem hätte es meiner Meinung nach keinen Sinn gemacht, die Meisterschaft zu einem späteren Zeitpunkt fortzusetzen, denn es ist zu befürchten, dass im Herbst oder im nächsten Jahr etliche Vereine nicht mehr existieren und die entsprechenden Ligen ganz anders aussehen, als das derzeit der Fall ist".    

Haben Sie das Gefühl, dass der OÖFV die Vereine in der ungemein schwierigen Situation begleitet und unterstützt, oder lässt der Verband die Klubs im Regen stehen?

"Mit Peter Aigner verfügt unsere Liga über einen ausgezeichneten Gruppenobmann. Was den Verband betrifft, hält sich die Freude jedoch in Grenzen. Nicht nur unser Klub, auch viele andere Vereine fühlen sich vom OÖFV in Stich gelassen. Es hat sich nie jemand gemeldet, demnach war und ist auch kein Informationsfluss vorhanden. Aber auch vor der Krise war es eigentlich nicht anders. Hätte ich auf Ligaportal nicht ein Interview mit Vizepräsiden Buchroithner gelesen, hätte ich mir beinahe Sorgen um die Existenz der Verbandes gemacht". 

Sind Sie der Meinung, dass die derzeitige Krise für den ÖFB der richtige Zeitpunkt wäre, seine Statuten zu durchforsten und sie der aktuellen Situation anzupassen – bzw. Strukturen zu ändern und realitätsnah zu gestalten?

"Da die Situation für alle neu ist, messe ich den Statuten keine entscheidende Bedeutung bei. Denn eigentlich sollten wir nicht über Statuten diskutieren, sondern die aktuelle Situation gemeinsam bewältigen. Zudem gibt es, was den Spielbetrieb betrifft, andere Probleme. Wie werden die E22- und Stammspielerregelung künftig gehandhabt? Oder wie geht man mit den aktuellen Leihverträgen um?"

Wann glauben Sie, darf das Training wieder aufgenommen werden bzw. wann wird wieder um Meisterschaftspunkte gekämpft?

"Sollte sich unsere Regierung zum Beispiel am schwedischen Modell orientieren und die Maßnahmen lockern, kann ich mir einen Start der neuen Saison im Herbst vorsrtellen. Ist das nicht der Fall, könnte die Pause länger dauern".

Wird der Amateurfußball nach einer längeren Pause so sein, wie wir ihn kennen?

"Da den Vereinen die Einnahmen fehlen und mit der Absage der traditionellen Zeltfeste bzw. Veranstaltungen ein wichtiger Budgetposten wegbricht, sind große finanzielle Probleme zu befürchten. Auch unserem Verein ist mit der Absage der Entenrallye eine wichtige Einnahmequelle abhanden gekommen. Aufgrund der wirtschaftlichen Schieflage droht vielen Klubs der Verlust von kleinen, aber ungemein wichtigen Sponsoren, weshalb ich befürchte, dass von den derzeit rund 360 Vereinen viele diese Krise nicht überstehen werden. Dazu kommt auch, dass das Wechseln vor allem von jungen Spielern zu anderen Sportarten droht, zudem könnten ältere Spieler ihre Karrieren vorzeitig beenden. Dieser personelle Aderlass würde dazu führen, dass das Vereinsleben künftig anders aussehen würde, als wir es gewohnt sind". 

Wie ist die aktuelle Situation in ihrem Verein? Gibt es ein Trainingsprogramm, ist die Kaderplanung für die nächste Saison schon angelaufen bzw. gibt es bereits Veränderungen?

"Da wir über eine geile Truppe verfügen, haben die Spieler signalisiert, bleiben zu wollen. Beim einen oder anderen Akteur steht jedoch das Karriereende im Raum. Die wirtschaftlichen Folgen der aktuellen Krise sind noch nicht abzusehen, deshalb tauchen einige Fagezeichen auf. Sollte die neue Saison im Herbst beginnen, gehe ich davon aus, dass wir mit eine starken Mannschaft an den Start gehen werden. In unserem Kader stehen durchwegs mündige Spieler, deshalb vertraue ich auf deren Eigenverantwortung. Ein verpflichtendes Heim-Programm halte ich rechtlich für bedenklich, denn zwei, drei wöchentliche Einheiten sind ein Aufwand, der eigentlich abgegolten werden muss. Geht es im Herbst wieder los, steht im Sommer quasi eine Winter-Vorbereitung bei angenehmen Temperaturen auf dem Programm".

 

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