Erfolg: Frage der Auf- oder Einstellung?

von Dr. René Riedl

Ist sportlicher Erfolg eine Frage der Auf- oder Einstellung? In den letzten Jahren gewinnt eine neue wissenschaftliche Forschungsrichtung innerhalb der Betriebswirtschaftslehre und Ökonomie zunehmend an Relevanz. Sportökonomik heißt das neue Forschungsfeld, das sich mit Themen wie Marketing, Beschaffung oder Finanzierung in Sportvereinen beschäftigt. Neben diesen vorwiegend ökonomischen Themen rückt auch der sportliche Erfolg, insbesondere im Bereich von Mannschaftssportarten wie dem Fußball, mehr und mehr in den Mittelpunkt der Betrachtung. Insbesondere deshalb, weil der wirtschaftliche Erfolg stark vom sportlichen Erfolg abhängt. 

In einer Untersuchung der Universität Münster wurde der Frage nachgegangen, ob der sportliche Erfolg in der Deutschen Fußball-Bundesliga eine Frage der Auf- oder der Einstellung ist. Die Studienautoren haben auf Basis von Daten aus der Saison 2000/2001 insgesamt 582 Spiele ausgewertet. Die Studienautoren fassen die zentralen Ergebnisse wie folgt zusammen: 

1. Der sportliche Erfolg basiert vordergründig auf den in den einzelnen Mannschaftsteilen erbrachten Leistungen. Es wurde festgestellt, dass die Leistung von Abwehr und Angriff einen stärkeren Einfluss auf den Erfolg haben als die Leistung von Torwart und Mittelfeld. 

2. Der eigene Abwehrbereich beeinflusst die Leistungsfähigkeit des eigenen Angriffs. Die Autoren schreiben: „Ohne eine zweckmäßige Organisation des Abwehrbereichs gelingt es weder, den Gegner am Torerfolg zu hindern, noch den Grundstein für eigene Torerfolge zu legen.“ 

3. Spielerwechsel werden vornehmlich erst im letzten Drittel eines Spiels vollzogen und haben keinen nachhaltigen Einfluss auf den Spielerfolg. Konkret wurde festgestellt, dass es in 90,4 Prozent der Fälle, in denen der Trainer der in Führung liegenden Mannschaft einen Spielerwechsel vornahm, bei einem erfolgreichen Spielausgang blieb. Im Falle von Auswechselungen durch den Trainer der zurückliegenden Mannschaft konnte in 87 Prozent der Fälle die Niederlage nicht mehr verhindert werden. Daraus kann geschlossen werden, dass aus Sicht der zurück liegenden Mannschaft Auswechselungen nur selten den Spielerfolg beeinflussen. 

Zwar bestehen zwischen dem in der Studie untersuchten Profifußball und dem Amateurfußball meines Erachtens strukturelle Unterschiede, die einer genauen Analyse bedürfen, um die Verallgemeinerbarkeit der Studienergebnisse beurteilen zu können. Ans Herz lege ich verantwortlichen Trainern und Funktionären das Fazit der Studienautoren dennoch: „Die Ergebnisse der Analyse belegen, dass der Erfolg in Spielen der Fußball-Bundesliga wesentlich von der Einstellung der Spieler (Leistung) und nur indirekt und relativ schwach von der Aufstellung (Spielsystem) abhängt – ein für den Organisationstheoretiker wie -praktiker sicherlich ernüchternder Befund. Vielmehr ist an dieser Stelle der „Motivator“ gefordert, denn der Schlüssel zum Erfolg in einem Bundesligaspiel liegt offensichtlich darin, die Spieler zu einer überdurchschnittlichen Leistung anzutreiben.“

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