Herbstrückblick Teil 8: Union T.T.I. St. Florian

st-florian bigDie Herbstsaison der Regionalliga Mitte ist Geschichte, nun wird es Zeit, die Geschehnisse zu analysieren. Das ligaportal nimmt dazu alle 16 Vereine genauer unter die Lupe. Den achten Teil des großen Herbstrückblickes macht die Union T.T.I. St. Florian. Trotz eines Umbruchs im Sommer blickt der Verein auf die punktemäßig erfolgreichste Hinrunde in der dritthöchsten Spielklasse Österreichs zurück. Auch durch anfängliche Nackenschläge wie das 0:9 im Cup gegen Red Bull Salzburg ließen sich die "Sängerknaben" nicht beirren. 

Interview mit Trainer Wilhelm Wahlmüller

ligaportal: "Willi Wahlmüller, wie stolz ist der Trainer nach der erfolgreichsten Hinrunde in der Regionalliga Mitte?"

Wilhelm Wahlmüller: "Natürlich bin ich sehr stolz auf die Mannschaft auf Grund dessen, was sie unter diesen Umständen geleistet hat. Man glaubt immer an das Beste, dass es dann so gelaufen ist, hat uns alle höchst überrascht. Nicht nur uns, sondern auch einige Experten. So manche Experten auch innerhalb des Vereins, also die, die immer sehr kritisch sind, denen nie etwas gut genug ist. Es heißt auch immer, wir könnten ohnehin ohne Druck spielen. Ganz so ist es nicht, die wenigsten Vereine können ganz ohne Druck spielen. Wir haben aber in meiner Ära zumindest Platzierungen belegt, wo nicht richtig Druck aufgekommen ist. Dem sind wir auch diesen Herbst schnell aus dem Weg gegangen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich auch bei meinem Trainerteam und bei den Physios bedanken, die tolle Arbeit geleistet haben. Und auch bei den Spielern, die das annehmen, was das Trainerteam vorgibt."

ligaportal: "Über die Gründe für den für viele überraschenden Erfolg ist schon öfter gesprochen worden. Immer wieder wurde auch der enorme Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft erwähnt. Inwieweit würdest Du das bestätigen?"

Fussball FC_Pasching_vs_Union_St._Florian_13.08.2013_-_Yusuf_Otubanjoschwarz_vs_Michael_Koglerrot_1Wahlmüller: "Das ist natürlich ein wichtiger Aspekt. Alleine vom Zusammenhalt hat man aber oft nichts. Der Zusammenhalt in einer Mannschaft entsteht nur dann, wenn man erfolgreich ist. Wenn man nicht erfolgreich ist, viele Spiele verliert, hilft der ganze Zusammenhalt nichts. Wir sind nicht hier, weil wir uns als Freunde treffen wollen, sondern die Spieler wollen erfolgreich Fußball spielen und sich weiterentwickeln. Dass sie sich dann gut verstehen, auf derselben Wellenlänge denken und alle das gleiche Ziel haben, ist umso bemerkenswerter. Aber wie gesagt, wenn man erfolgreich ist, tut man sich auch leichter, dass der Zusammenhalt noch besser ist."  

ligaportal: "Wenn Du Dich zurückerinnerst: Nach den Abgängen im Sommer, dem 0:9-Debakel im Cup gegen Red Bull Salzburg - wie hast Du damals die Stimmung innerhalb und im Umfeld des Vereins erlebt?"

Wahlmüller: "Es war natürlich sehr schwierig. Die Cuprunde mitten in der Vorbereitung habe ich damals schon kritisch gesehen, dazu hatten wir den schwierigsten Gegner, der nicht nur in Österreich, sondern auch europaweit für Aufsehen gesorgt hat. Dieses Spiel schaue ich mir heute noch öfter auf Video an, um zu sehen, welche Fehler wir da gemacht haben und jetzt nicht mehr machen. Da haben wir uns schon stark gesteigert. Wenn man bedenkt, dass wir gegen Salzburg von den ersten vier Toren drei aus Standards bekommen haben und im ganzen Herbst kein einziges, sieht man sehr wohl, wo wir den Hebel angesetzt haben. Wir haben sehr viel gelernt daraus, es ist eine Jetzt-erst-recht-Stimmung aufgekommen. Alle haben uns noch mehr abgestempelt, obwohl dieses Spiel niemand aus dem richtigen Blickwinkel gesehen hat. Dementsprechend haben wir das relativ schnell abgehakt, mit dem 3:0 gegen den SAK die richtige Antwort gegeben. Die Mannschaft hat sich sukzessive weiterentwickelt. Außerdem.."

ligaportal: "Außerdem..?"

Wahlmüller: "Auch das Transferprogramm war damals noch nicht abgeschlossen. Mit Thomas Höltschl ist ein Führungsspieler, Torschütze und Einfädler dazugekommen. Intern haben wir alles analysiert, die Mannschaft hat das gut umgesetzt und sich in allen Bereichen verbessert. Es hat natürlich schon wehgetan, in einer Phase, in der uns manche belächelt haben, als absoluten Abstiegskandidaten gesehen haben. Da bin ich wieder bei eigenen Leuten in St. Florian, die auch nicht ganz fair waren zum Team. Da sind wir dann noch mehr zusammengerückt und wir sind die Meisterschaft mit einer Jetzt-erst-recht-Stimmung angegangen."

ligaportal: "Ein Geheimnis der Hinrunde war das Defensivverhalten. Mit nur 13 Gegentoren stellt ihr nach dem LASK und Pasching die drittbeste Abwehr der Liga. Inwieweit wurde darauf in der Vorbereitung besonders Wert gelegt?"

Wahlmüller: "Besonderen Wert muss man darauf immer legen, wenn man viele neue Spieler hat. Man muss auch sagen, dass das Durchschnittsalter unserer Abwehr zwischen 20 und 21 Jahre betragen hat. Das ist dann schon sehr bemerkenswert. Zudem hatten wir nicht ganz so viel umbauen müssen, von den fünf Spielern inkusive Torwart sind drei geblieben, zwei wurden getauscht. Lukas Gabriel ist ein gestandener Spieler, bei Ivan Lucic hatten wir nicht gewusst, wo wir stehen. Er hat sich aber gut eingefunden, sehr gute Partien gespielt, wobei wir bei ihm die Latte noch höher legen müssen, ich mir noch ein bisschen mehr erwarte. Insgesamt m20130809 6096uss ich im Defensivverhalten aber die ganze Mannschaft hernehmen. Dennoch soll es nicht so rüberkommen, als ob wir nur defensiv spielen würden. Im Gegenteil - wir spielen eigentlich sehr offensiv, haben aber keinen Goalgetter wie früher Zemann oder Hermes. Dafür einige Spieler, die aus dem Mittelfeld torgefährlich sind, das Ganze ist eher aufgeteilt. Grundsätzlich ist es für mich wichtig, dass man ein Tor mehr schießt, als der Gegner. Wenn man natürlich kein Tor bekommt, dann reicht ab und zu auch eines."

ligaportal: "Bemerkenswert klingt auch die Derbybilanz: In sechs Spielen keine einzige Niederlage, nur ein Gegentreffer - und das gegen Gegner wie den LASK oder Pasching.."

Wahlmüller: "Ja. Ich muss sagen, Pasching haben wir in einer ganz schwierigen Phase bekämpfen müssen, kurz vor der Euro-League. Da haben wir sehr gut dagegengehalten. Das 0:0 gegen den LASK war ein Highlight, wo wir eigentlich keine Torchance zugelassen haben und gewinnen hätten können. Blau-Weiß war ähnlich, gegen Steyr, wo wir vielleicht etwas die Glücklicheren waren und Wallern haben wir daheim gewonnen. In Vöcklamarkt auswärts ist es immer schwierig auf Kunstrasen, auch dort hat sich die Mannschaft gut geschlagen. Dementsprechend sind wir sehr zufrieden, weil natürlich die Derbys das Salz in der Suppe sind. Wenn man gegen so namhafte Gegner wie Pasching, den LASK, Steyr oder Blau-Weiß positive Ergebnisse schafft, ist das für eine Mannschaft immer etwas sehr Gutes."

ligaportal: "Blicken wir abschließend noch in die Zukunft: Inwiefern sind in der Winterpause Veränderungen auf dem Spielersektor zu erwarten?"

Wahlmüller: "Bei uns ist es bekannt, dass sich halbjährig immer etwas tun kann. Das ist der unangenehme Effekt, wenn man erfolgreich ist, dass sich Spieler in den Blickpunkt spielen. Wir werden sehen, ob wir beieinander bleiben, ob unzufriedene Spieler vielleicht weggehen, sodass wir den einen oder anderen Neuzugang holen. Es ist auch bekannt, dass Höltschl oder Gabriel schon im Profibereich tätig waren und gerne nochmals dorthin wollen. Ob das im Winter so sein wird, weiß ich nicht. Wir haben aber in der Hinterhand auch schon wieder den einen oder anderen Spieler. Zudem entwickeln sich im Winter junge Spieler noch einmal weiter, wie ein Thomas Jackel, Kai Fazeny oder auch Nils Zatl. Thomas Himmelfreundpointner, der den ganzen Herbst ausgefallen ist, kommt wieder zurück. Aber wir können es ohnehin nicht ändern. Unsere Philosophie ist, dass wir junge Spieler ausbilden. Da bin ich wieder bei dem Thema Druck. Es stimmt so nicht, dass wir keinen Druck haben, weil wir auch dieser Verein in der höchstmöglichen Liga bleiben wollen. Wenn man bei einem Verein spielt, der in der Regionalliga weit vorne agiert, ist man auch gefragter."

 

Statistik zur Herbstsaison 

Platz: 6. (27 Punkte)
Heimtabelle: 7. (15 Punkte)
Auswärtstabelle: 5. (12 Punkte)
Höchster Sieg: 3:0 (gegen SAK)
Höchste Niederlage: 1:3 (gegen Austria Klagenfurt)
Längste Serie ohne Sieg: 4 Spiele (Runden 11 - 14)
Längste Serie ohne Niederlage: 7 Spiele (Runden 7 - 13)
Bester Torschütze: Nils Zatl (5 Tore)
Böse Buben: Dominic Winkler (1x Rot, 3x Gelb), Ewald Huber, Leonhard Mayr (je 5x Gelb)
Derbybilanz: 2 Siege, 4 Remis, 0 Niederlagen (Torverhältnis: 4:1)

 

So geht es weiter 

Training bis zum 5. Dezember 2013
Trainingsstart am 13. Jänner 2014 
 

Fotos: Harald Dostal 

Christoph Gaigg

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