Wenn die Friedhofstribüne bebt: Wiener Sportclub schließt an erfolgreiche Cup-Historie an

„Come on Sportclub, come on Sportclub“ hallte es am Donnerstagabend von der Friedhofstribüne am Sportclub Platz im 17. Wiener Gemeindebezirk. Zu dem Zeitpunkt wussten die Fans des Wiener Traditionsklubs noch gar nicht, was ihr Team an diesem Abend noch vollbringen würde. Am Ende stand ein 3:1-Sieg für die Dornbacher gegen Bundesligist Austria Wien im Achtelfinale des ÖFB-Cups zu Buche, und auch noch ein hochverdienter, denn die Gastgeber spielten bärenstark.

Der Aufstieg ins Viertelfinale des ÖFB-Cups vor 7000 Fans erinnert an Erfolge früherer Zeiten. Aber der Reihe nach: Der Wiener Sportclub ist einer der ältesten Sportvereine Österreichs. Der Verein ging aus dem am 24. Februar 1883 gegründeten Wiener Cyclistenclub hervor. Die bekannteste Sektion bzw. Sparte, die Fußballsektion, besteht seit der Fusion mit der Wiener Sportvereinigung im Jahr 1907 und gehört damit auch zu den ältesten Fußballvereinen Österreichs.

Noch immer höchster Sieg österreichischer Mannschaft international

Abgesehen davon dass sich die Dornbacher in den Saisonen 57/58 und 58/59 den österreichischen Meistertitel holten, spielte der Verein 1958 sogar im Europa Cup und eliminierte dort die favorisierte Mannschaft von Juventus Turin nach einer 1:3-Niederlage in Turin im Rückspiel im Wiener Praterstadion mit 7:0. Dieser Sieg ist bis heute der höchste Sieg einer österreichischen Mannschaft gegen einen europäischen Spitzenverein sowie die höchste Niederlage eines italienischen Klubs im Rahmen des Europacups. Erst im Viertelfinale gegen Real Madrid war dann Schluss.

Leider kam der Verein ab den 70ern in finanzielle Turbulenzen, nachdem zunächst neben dem bereits 1984 von Rapid gekommenen Nationalspieler Christian Keglevits auch Nationalspieler Felix Gasselich und „Goleador“ Hans Krankl beim Sportclub aktiv waren. Krankl erzielte in seinen beiden Saisonen 40 Tore. Danach folgten zwei Konkurse und der Abschied aus dem österreichischen Spitzenfußball. Zwar gelang den Dornbachern im Jahr 2000 die Rückkehr in die 2. Liga, allerdings folgten sogleich der Abstieg und kurz darauf wieder finanzielle Probleme, die sogar zur Abspaltung der Fußballsektion führten. 2016 wurde entschieden, wieder eine Fußballsektion zu betreiben. Diese trat in jener Saison in der 2. Klasse B an, die man als Fünfter beendete. In der darauffolgenden Spielzeit fusionierte der Wiener Sportclub mit dem Wiener Sportklub. Der Wiener Sportclub übernahm den Startplatz des Wiener Sportklubs in der Regionalliga Ost sowie im ÖFB-Cup.

Erfolgreiche Cup-Geschichte

Apropos ÖFB-Cup: Der Sportclub hat eine sehr erfolgreiche Historie im Cup, auch wenn die letzte Finalteilnahme 45 Jahre her ist. Insgesamt stand man acht Mal im Finale, wovon man einmal gewinnen konnte. Mit dem Sieg gegen die Austria am Donnerstag dürfte so mancher Fan in Erinnerungen schwelgen – und nicht nur weil der letzte Sieg gegen die Austria 1992, also vor 30 Jahren gelang. Wer weiß, was den Dornbachern in der heurigen Saison noch gelingt, immerhin ist Austria Wien nach Austria Lustenau schon der zweite Bundesligist, den man aus dem Bewerb geworfen hat.

Die Mannschaft von Trainer Weinstabl dürfte jedenfalls für Größeres bereit sein. „Wie das 3:1 gefallen ist, war ich mir sicher, dass wir gewinnen werden. Wir haben gekämpft bis zur letzten Minute. Ich habe Krämpfe gekriegt seit der 70. Minute in den Waden. War nicht einfach, aber was tut man nicht alles. Als Steirer wünsche ich mir im Viertelfinale jetzt Sturm Graz. Als Wiener Rapid“, so Miroslav Beljan, der Torschütze zum entscheidenden 3:1.

Und was wünscht sich Coach Robert Weinstabl? "Naja, noch ein Wiener Derby hätte schon etwas für sich. Wir nehmen aber jeden Gegner und wissen auch, dass wir zu Hause wahrscheinlich jeden Gegner schlagen können, wenn wir wieder mit der gleichen Leistung auftreten", so der Trainer, der noch am Donnerstag um Zurückhaltung bemüht war, auch wenn er sehr stolz auf seine Mannschaft ist: „Es ist auch für mich sehr, sehr schwer, die richtigen Worte zu finden, weil auch für mich und mein Trainerteam dieses Spiel und Resultat etwas ganz Besonderes ist. Jetzt geht es aber darum, dass wir uns wieder in die Meisterschaft reinbeamen. Wir werden heute normal trainieren, das Regenerationstraining machen, dann bekommen die Jungs zwei Tage frei. Das hat sich die Mannschaft richtig verdient, um auch die Köpfe wieder frei zu bekommen. Aber nächste Woche, spätestens am Montag heißt es dann wieder voller Fokus auf Wr. Neustadt.“ In der Liga läuft es nämlich nicht ganz rund. Auf Tabellenführer Stripfing fehlen den Dornbachern in der Regionalliga Ost bereits elf Punkte. 

Foto: Wiener Sportklub/CGlanzl


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