"Es ist an der Zeit über die Folgen und Auswirkungen zu sprechen" - Ein offener Brief von Hüttschlags Thomas Kendlbacher

Zirka einen Monat lang war die Pongauer 900-Einwohner-Gemeinde Hüttschlag unter Quarantäne. Zwar kann man mittlerweile wieder ungehindert aus dem Tal fahren, dennoch setzen die von der Bundesregierung getroffenen Maßnahmen dem fußballverrückten Örtchen ordentlich zu. Thomas Kendlbacher, Co-Trainer, Spieler und Funktionär des USV Almsommer Hüttschlag richtet sich mit einem offenen Brief an die AmateurfußballerInnen.

 

Hofft auf ein baldiges Ende der "trostlosen, fußballfreien Zeit" - Hüttschlags Thomas Kendlbacher (re.)

(c) Fussball-Impressionen vom Salzburger Unterhaus 

 

"Sehr geehrte AmateurfußballerInnen,

viele von uns hatten sich in den letzten Wochen verschiedenste Szenarien mit Kameraden, Freunden und Fans zum möglichen Saisonverlauf ausgemalt und ehrfürchtig darüber diskutiert. Nun ist Gewissheit eingekehrt. Eine Gewissheit, die viele von uns wohl kommen haben sehen, jedoch aus persönlichen, sportlichen und ehrgeizigen Gründen, die Wenigsten von uns wahrhaben wollten.

Der Schein trügt nicht, wenn wir 'Hobbyfußballer' von einem zerschmetternden Urteil sprechen, wiederum der Herr Sportminister von einem alternativlosen Weg für den Mannschaftssport redet. Die Fußballgesellschaft ist zwiegespalten. Auf der einen Seite herrschen Vorgaben der Bundesregierung über unseren Sport, auf der anderen Seite harren momentan verzweifelte FußballerInnen, Funktionäre, Fans, Sponsoren, usw., die natürlich die Gefahr des Corona-Virus einzuschätzen wissen, doch nichts sehnlicher wollen, als ihr Hobby auszuführen.

Aber ist es legitim, wenn ein Herr Sportminister, der in seinem Leben noch keinen aktiven Kontakt mit Mannschaftssport genießen durfte, über unseren Amateurfußball entscheidet?

Wir, die Vereine, haben in den letzten Wochen wie der Rest der Bevölkerung einen gewaltigen Beitrag zur Eindämmung des Virus beigesteuert. Nun ist es an der Zeit über die Folgen und Auswirkungen der Zeit ohne Fußball zu sprechen.

Wir sind nur ein kleiner Verein, in einer kleinen Gemeinde in Salzburg, jedoch das Herzstück des Vereinslebens und der Bewegungskultur in unserem Ort. Bis auf den Trainer engagieren sich alle Beteiligten des Vereins ehrenamtlich und mit unbeschreiblichem Herzblut. Deshalb wird bei uns der finanzielle Schade in Schach gehalten werden können, wobei der Mannschaftsgeist und der Zusammenhalt immens in Mitleidenschaft gezogen werden, weil durch einer langen Spiel- und Trainingspause einige ihre Prioritäten anders ausrichten, sich weg vom Fußball orientieren, eine neue Sportart suchen. Zum Beispiel Einzelsportarten wie Tennis, Mountainbiken, Marathon, usw.

Natürlich kann ich mich auch den Ängsten und Nöten der Vereine annehmen, bei denen Aufwandsentschädigungen und damit verbunden, höhere Ausgaben einhergehen.

Beide Auswirkungen treffen einen Verein hart, doch empfinde ich die menschliche Auswirkung auf den Amateurfußball für eine größere.

Wenn die Saison 2020/21 planmäßig beginnen kann, dann werden wir wahrscheinlich alle mit einem blauen Auge davonkommen. Verschiebt sich jedoch der Saisonstart nach hinten, wie es der Sportminister anklingen hat lassen ('ohne Medikamente oder Impfstoff ist eine Kontaktsportart sehr, sehr schwer vorstellbar') haben wir im Breitensport, vor allem im Fußball, einen noch nie dagewesenen Schaden. Wenn Vereine zum Aufgeben gezwungen sind, gehen unvorstellbare Auswirkungen einher. Kinderfußball, der zur Menschlichkeitsbildung und zum Spaß am Sport dient, verschwindet. Emotionen am und im Spielfeld werden zukünftig verschwinden. Herzblut und Handwerk, das in den letzten Jahrzehnten in einen Verein gesteckt wurde, wird vergessen werden. Stärkung der heimischen Wirtschaft durch einen Verein (Feiern, Bekleidung, Sportheim, usw.) wird ausbleiben.

Lediglich die vielen, leerstehenden Sportstätten werden an eine glorreiche Breitensportzeit erinnern.

Wollen wir das? Wir mit Sicherheit nicht!

Wollen Sie das, Herr Vizekanzler?

Ich hoffe wir helfen alle zusammen und überstehen diese trostlose, fußballfreie Zeit!

 

Euer Thomas Kendlbacher, Co-Trainer, Spieler und Funktionär beim USV Almsommer Hüttschlag"

 

 

 

Redakteur: Maximilian Winkler

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