"Tolle Typen, geile Spiele und super Momente" - Ehemalige Regionalliga-Schießbude findet Gefallen am Punkten

Es war förmlich eine Wandlung um 180 Grad, die der SK Bischofshofen im Herbst 2020, vergleichend mit derselben Jahreszeit im Jahr zuvor, hingelegt hat. Aus einem Punktelieferanten ist mittlerweile eine mehr als nur ligataugliche und schlagkräftige Truppe geworden. Mit eigens inszenierten, tollen Aktionen versuchten die Pongauer, die fußballfreie Zeit möglichst schadlos zu übertauchen. Spätestens im Juli will man auch sportlich wieder voll durchstarten. Ligaportal hat BSK-Macher Patrick Reiter mit einigen Fragen konfrontiert...

 

Jubelbilder der Bischofshofener (Karol Solciansky mit Pawel Kapsa) waren 2020/21 wahrlich keine Seltenheit mehr.

Fotocredit: FMT-Pictures/T.A.

 

BSK will nahtlos an Herbst-Performance anknüpfen

Sechs volle Erfolge, vier Remis und lediglich drei Pleiten, sprich 22 Zähler aus 13 Begegnungen. Im Vergleich mit dem Vorjahr (20 Partien, ein Punkt) ist das eine satte Steigerung. Zum Thema Saisonannullierung trinkt Reiter aus demselben Glas wie die meisten Funktionäre der Regionalliga Salzburg-Teams: "Der Abbruch war die richtige Entscheidung, weil kein faires Abbild einer Saisonleistung mehr darstellbar gewesen wäre." Vom neuerlichen durch Corona hervorgerufenen Meisterschaftsaus lassen sich die Bischofshofener nicht von ihrem eingeschlagenen Weg abbringen. "Wir wollen das Klubleben genießen, Emotionen und bleibende Momente für die Menschen schaffen, den BSK im Pongau noch interessanter und attraktiver machen und mit der Kampfmannschaft genau dort weitermachen, wo wir vor der Zwangspause aufgehört haben", legen sich Reiter und seine BSKler den Plan für die nahe Zukunft zurecht.

 

Momentan vier Zu- und ebensoviele Abgänge: Pongauer tüfteln an weiteren Transfers

Nach einer langen individuellen Vorbereitungsphase, hat Übungsleiter Adonis Spica seine Jungs vorgestern zum ersten Mannschaftstraining zusammengetrommelt. Kadertechnisch werden sich die Pongauer in der neuen Saison leicht verändert präsentieren. So wurden mit Kenan Cormehic (Wagrain), Mirel und Mirnes Kahrimanovic (beide Adnet) sowie Jurica Kljajic (St. Martin/T.) vier neue Akteure an Land gezogen. Nicht mehr mit dabei: Simon Krizak (Kravina/Tschechien), Martin Antl, Adin Omic (beide unbekannt) und Kapitän Goran Antunovic. Letztgenannten zieht es beruflich nach Wien. "Dort hat er eine Top-Chance erhalten. Wir werden ihn durch einen qualitativen Neuzugang ersetzen. Zudem planen wir, noch zwei weitere Leistungsträger dazuzuholen", verrät Reiter, der sich für die Zusammenarbeit mit der letztjährigen Crew dankbar zeigt: "Es waren viele tolle Typen, geile Spiele und super Momente."

 

"Servus TV Projekt" in Werbekonzept umgewandelt

Die Fußballpause war auch in Bischofshofen nicht einfach. Auf die Frage, wie man diese schwierige Phase im Vorstand bewältigt habe, zaubert Reiter blitzschnell eine Antwort hervor: "Miteinander reden, Mensch sein, sich positiv unterstützen, sich gegenseitig noch mehr wertschätzen und wenn es wirtschaftlich gezwickt hat, einmal öfter in die eigene Tasche greifen." Weil es auch im Nachwuchsbereich zu Herausforderungen gekommen ist, hat sich der BSK etwas ganz Spezielles einfallen lassen. Reiter erklärt: "Wenn der Betrieb so lange unterbrochen ist, verliert man die Anbindung an die Klubmitglieder. Lösungsorientiert haben wir das 'Servus TV Projekt' in ein Werbekonzept umgemünzt. Die ersten 100 Neuanmeldungen von Kindern dürfen den Klub ein Jahr lang kostenlos besuchen. Daraus resultierend gewinnen wir aktuell sogar an Kindern dazu. Ergänzend erfahren wir eine tolle Zuwanderung von talentierten Spielern aus den umliegenden Vereinen - weil unser individualisiertes Entwicklungsangebot mit Mario Helmlinger (Nachwuchsleiter mit überregionaler Top-Kompetenz in der Entwicklung von jungen Nachwuchstalenten) und Pawel Kapsa (Torwarttrainer Nachwuchs) zum klassischen Klubtraining dazu große Anerkennung und Resonanz in der Region erhält." Darüber hinaus zeigte sich auch Teammanager Manfred Dollisch kreativ. "Mandi hat eine geile Aktion ins Leben gerufen", schildert Reiter. "Seinen neuen Unternehmens-LKW (Transporte Dollisch) werden zwei große BSK-Werbeflächen zieren."

 

Reiter: "Spannende Zeiten warten auf uns"

"Persönlich zu urteilen ist leicht, eine Entscheidung mit Verantwortung und Konsequenzen zu treffen ungleich schwerer", meint Reiter im Hinblick auf Staat und Bundesregierung. Dennoch zieht der BSK-Macher aus der Pandemiezeit zwei relevante Dinge hervor: "Erstens: Der Sport hat in Österreich genau gar keine Lobby. Die Politik und einzelne Verantwortliche nutzen ihn zwar laufend zur eigenen Populismus-Show, mehr aber auch nicht. Zweitens: Die Organisation und Strukturen im österreichischen Sport sind völlig veraltet und weit weg von zeitgemäß, geschweige denn attraktiv. Nicht alle, aber zu viele 'Köpfe' haben in dieser Pandemie statt Führungsqualität, Verantwortung und Einstehen für den Sport und die Sache den Weg des Versteckens und bzw. oder des Verantwortung Abschiebens gewählt. Der Sport und alle die, die es täglich operativ da draußen angehen (da gibt’s eine Menge Gute von), sind gefordert, dort von der Basis aus Veränderung zu schaffen und die Dinge nicht mehr stillschweigend hinzunehmen. Sonst wird der Amateur- und Breitensport langfristig am und unter dem Existenzniveau herumkratzen. Die Rahmenbedingungen verändern sich für uns Klubs ab nun völlig, spannende Zeiten warten auf uns."