Nein zur 2. Klasse - Abgang-Flut beim FC Zell

Verstärkt durch die Corona-Krise war der finanzielle Druck, der auf den Schultern des FC Zell am See lastete, letztendlich nicht mehr zu bändigen. Seit exakt einer Woche ist es fix: Der Salzburgligist zieht sich aus der vierthöchsten Liga zurück und plant in der 2. Klasse Süd/West einen Neuaufbau. Patrick Kasper, der sportliche Leiter der Bergstädter, hat sich Zeit genommen, um mit uns über die aktuelle Lage in der Pinzgauer Bezirkshauptstadt zu quatschen.

 

Zell buhlt um ihn: Die sportliche Zukunft von Goalie Senad Hamzic bleibt weiterhin offen.

(c) Fussball-Impressionen vom Salzburger Unterhaus

 

Coronavirus als Brandbeschleuniger

Die wirtschaftlich angeknockten Zeller gerieten in Zeiten von Corona in eine noch größer werdende finanzielle Schieflage. Das traditionelle Zeller Seefest wurde abgesagt und aufgrund des von der Bundesregierung bis Ende August verordneten Veranstaltungsverbotes dürfen keine internationalen Testspiele mit Besuchern durchgeführt werden - jeweils zuverlässige Einnahmequellen, die den Spielbetrieb der Pinzgauer sowohl in der Salzburger Liga (Kampfmannschaft) als auch in der 2. Klasse Süd/West (1b-Mannschaft) hätten aufrechterhalten sollen. Weil sich das Geldbörserl der Zeller zudem größtenteils aus Zuwendungen aus der Tourismusbranche zusammensetzt, die Tourismusbranche derzeit aber der von der Corona-Krise am meisten betroffene Bereich ist und somit zu viele Unsicherheitsfaktoren das zukünftliche Handeln bestimmt hatten, setzte der ehemalige Zweitligist den drastischen Schritt, freiwillig aus der Salzburger Liga in die 2. Klasse Süd/West abzusteigen. "Nach langen Überlegungen war es wohl die beste Lösung", gesteht Kasper. "Wir sind in den letzten Jahren mit unserem Kaderbudget immer an die Grenzen gegangen und aufgrund der aktuell herrschenden Umstände konnten wir unseren Spielern nichts versprechen. Dementsprechend haben wir keinen anderen Ausweg mehr gesehen."

 

Fast alle Kicker weg - Kasper: "Werden mit gewohntem 1b-Kader weiterfahren"

Die Kaderplanung für das kommende Spieljahr laufen in der Bergstadt auf Hochtouren. Bis auf Robi Kajic, Emrah Sahin und Keeper Senad Hamzic ziehen alle Kaderspieler von dannen - böse ist Kasper keinem: "Das Problem hab' ich schon vor ein paar Jahren gesehen. Die vielen auswertigen Spieler, aus denen sich unsere Mannschaft zusammengesetzt hatte, waren mit dem Verein nicht so eng verbunden. Ich verstehe jeden, der sich jetzt einen neuen Verein sucht." Somit wird sich das Grundgerüst des FC Zell am See in der 2. Klasse Süd/West nicht wirklich von dem des zweiten Anzugs unterscheiden. "Wir werden mit dem gewohnten 1b-Kader weiterfahren. Mit Kajic, Sahin und Hamzic sind wir im Gespräch und versuchen sie irgendwie zu halten", hofft Kasper auf eine Zusage des Trios. Apropos Trio: Auch das Trainerteam besteht aus einem Dreiergespann. Chefcoach ist Peter Zehentmayr, der zum einen von "Co" Christian Sepp und zum anderen von Teammanager Daniel Mühlberger unterstützt wird. 

 

FC trotz freiwilligem Abstieg auf großer Bühne?

Ein weiteres brisantes Thema ist die Vergabe der ÖFB-Cup-Tickets. Sollte dafür, wie für alle anderen Aufstiegsszenarien auch, das '18/19-Ergebnis herangezogen werden, dann würde den Zellern die Teilnahme am ÖFB-Cup zustehen. "Diesbezüglich habe ich keine Informationen. Weder vom Verband noch selbst eingeholte. Aber im Moment ist das für uns auch sekundär", klärt Kasper auf. Doch gewiss ist, dass der ehemalige Zweitligist bereit wäre, wenn es wirklich dazu kommen sollte. "Annehmen würden wir es auf jeden Fall", sagt der sportliche Leiter der Zeller und träumt indes vom Hammerlos: "Und dann muss unsere junge Truppe womöglich gegen Salzburg ran." In der Abbruch-Saison 2019/20 bekamen es die Pinzgauer in der 1. Runde mit Regionalligist Gurten zu tun, unterlagen knapp mit 0:1.

 

 

 

Redakteur: Maximilian Winkler

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