Siegen um jeden Preis! Söchau des Betruges beschuldigt! "Mir ist ein Fehler unterlaufen!"

altStellen Sie sich vor, jemand agiert unter Ihrem Namen! Nein, denken Sie nicht an einen Raubüberfall oder noch Schlimmeres. Stellen Sie sich vor, unter Ihrem Namen spielt jemand Fußball und Sie wissen gar nichts davon. Nicht möglich? Mitnichten! In der letzten Runde der Herbstsaison in der steirischen Gebietsliga Süd im Spiel zwischen der zweiten Kampfmannschaft von Gnas und Söchau war genau das passiert. Bei Söchau spielte ein Spieler mit falschem Spielerpass, also unter falschem Namen. Man könnte jetzt meinen, dass hierbei ein Fehler unterlaufen ist, doch in Wahrheit soll dies nun wissentlich passiert sein. Wir sprachen mit Vereinsverantwortlichen beider Seiten. Nur so viel: inzwischen gibt es ein Schuldeingeständnis von Söchau. 

Fehler unterlaufen

Zugetragen soll sich die Sache in der 13. Runde der Hinrunde haben. Bernd Aigner (Namen von der Redaktion geändert), Spieler von Ausbildungsverein HIB Liebenau spielte in dieser Partie unter einem falschen Namen. Und tatsächlich, der Spieler scheint nicht im Spielbericht auf, muss daher also wirklich mit falschem Spielerpass aufgelaufen sein. "Ich nehme alle Schuld auf mich", sagt Johann Sammer vom USV Söchau. "Mir ist da ein Fehler unterlaufen. Ich dachte, der Spieler ist schon längst wieder bei uns gemeldet." Das war er nicht. Auch - und das obwohl mit der Kennung von Sammer der Spielbericht unterzeichnet wurde - unterzeichnet hat Sammer den Bericht nicht. "Ich weiß leider nicht, wer das gemacht hat. Im Verein kennen aber sehr viele Leute meine Kennung. Das kann also jeder sein." Ihm sei der Fehler deswegen nicht gleich aufgefallen, weil ein anderer Spieler den gleichen Nachnamen hat. "Ich habe nicht genau geschaut und daher hat das für mich gepasst."

Protest unabhängig vom Ergebnis

Doch der Reihe nach: Die ganze Aufregung wäre wohl nicht endstanden, wenn Söchau die Partie gegen die Zweier von Gnas nicht mit 2:1 gewonnen hätte. Damit wurde die Situation für das akut abstiegsgefährdete Söchau nämlich etwas freundlicher. Gnas-Jugendleiter Raimund del Negro sieht das anders: "Das hat mit dem Ergebnis überhaupt nichts zu tun. Wenn wir 5:0 gewonnen hätten, hätten wir genauso protestiert. Es kann einfach nicht sein, dass solche Dinge durchgehen."

Der Zufall spielte mit

Dabei wäre das Spiel unter falschem Namen wahrscheinlich gar nicht aufgefallen, hätte es nicht zufällig Fotos von der Partie gegeben. "Ich wurde von einem Bekannten darauf hingewiesen. Zuerst konnte ich es gar nicht glauben, weil ich so etwas überhaupt noch nie gesehen oder gehört habe", ist del Negro schockiert. "Wie das passieren kann. Was ist, wenn sich dieser Spieler verletzt? Was ist dann mit Versicherungen? Wer zahlt? Ich bin mir nicht sicher, ob das den handelnden Personen bewusst war." Der Funktionär ist übrigens auch der Meinung, dass Sammer nicht als Einziger davon wusste. "Ganz sicher nicht - der Spielername, der jetzt im Spielbericht steht, hat davor ein Jahr kein Spiel ausgetragen. Außerdem muss es dem Trainer auffallen, wenn plötzlich ein neuer Spieler beim Aufwärmen dabei ist." Söchau-Funktionär Sammer beharrt allerdings auf seinen Fehler. "Wenn ich betrügen hätte wollen, hätten wir einen Spieler aus Ungarn geholt und es wäre keinem aufgefallen. Das passt also überhaupt nicht zusammen", erklärt er. "Nochmals, ich kann mich nur noch einmal bei allen Beteiligten entschuldigen und das habe ich auch bereits schriftlich getan." 

In erster Instanz bestätigt

Interessantes Detail: Trotz der klaren Beweislage inklusive Fotos wurde das Ergebnis von 2:1 in erster Instanz bestätigt. "Angeblich hat es sogar ein Schreiben vom Spieler auf dem Spielbericht gegeben, dass er gespielt hat. Das habe ich aber nie zu Gesicht bekommen", sagt del Negro. Nicht zuletzt deswegen legten die Gnaser Protest ein. 

Acht Spiele Sperre

Inzwischen gibt es aber ein Schuldeingeständnis von Spieler- und Vereinsseite. Del Negro glaubt den Verantwortlichen von HIB Liebenau und dem erst 15-jährigen Spieler, der zum Einsatz kam, allerdings nicht Söchau-Funktionär Sammer. "Ich bin ganz sicher, dass Söchau davon gewusst hat, aber das tut jetzt auch nichts mehr zur Sache." Die Gerechtigkeit habe gesiegt und das Spiel mit 0:3 zu Gunsten Gnas' strafbeglaubigt, nur für Aigner tut es dem Jugendleiter leid. Der Spieler wurde nämlich für acht Spiele gesperrt. "Was kann der Bursche dafür, dass er da in etwas hineingeritten wurde. Ich hoffe, dass man hier Gnade walten lässt. Ich kann einem 15-Jährigen ja alles erzählen. Die Chance auf einen Einsatz in der Kampfmannschaft ist ja nicht so schlecht." Und zum Sachverhalt generell sagt del Negro: "Personalnot ist kein Argument. Für so etwas gibt es keine Argumente. Bei uns werden auch die Jüngsten eingesetzt. Ich hoffe, dass mit dieser Entscheidung nun ein Exempel statuiert wurde und sich so etwas niemand mehr traut."

von Martin Mandl

 

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