Online-Petition: Vereine fordern die umgehende Freigabe des Nachwuchssports

Eine Gruppe von Jugendleitern niederösterreichischer Fußballvereine startete jüngst die Initiative kinderbrauchensport.at. Mittlerweile unterstützen über 1090 Fußballvereine bzw. deren Nachwuchsabteilungen aus ganz Österreich diese Plattform. In einem offenen Brief an den österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz, den Bundesminister für Sport Werner Kogler und den Bundesminister für Gesundheit Rudolf Anschober fordern sie die umgehende Freigabe des Nachwuchssports im Freien. Gleichzeitig hat diese Initiative eine Online-Petion in Umlauf gebracht.

Hannes Hörndl

Hannes Hörndler ist Jugendleiter beim SV Union Wieser Allhartsberg und einer der Initiatoren

Offener Brief der Initiative an die zuständigen Bundesminister und den Bundeskanzler

Sehr geehrte Herren!

Seit Beginn der Corona Pandemie mussten und müssen wir nach wie vor mit vielen Einschränkungen leben. Besonders hart treffen diese Einschränkungen Kinder, die – obwohl sie gesundheitlich nicht gefährdet sind – auf soziale Kontakte, Schule und auch auf Sport verzichten müssen. Kinderpsychologen und –ärzte schlagen längst Alarm, dass die Folgeschäden für Kinder gravierend sein werden (siehe zuletzt Kleine Zeitung, Online Ausgabe vom 23.01.2021 „Für Kinder sind Corona-Maßnahmen bedrohlicher als das Virus“). Viele Kinder sitzen bis zu acht Stunden vor Computern, weil sie Onlineunterricht haben und/oder ihre Eltern arbeiten müssen und sie sie nicht anders beschäftigen können als ihnen auch nach Distance Learning das Spielen von Onlinespielen auf diversen Medien zu erlauben. Das ist leider die Realität, die kaum jemand in der Öffentlichkeit ausspricht. Auf der einen Seite steigt das Suchtpotential hunderttausender Kinder, auf der anderen Seite sind sportliche Angebote derzeit rar gesät. Vieles, was Kinder zur Bewegung animiert, ist geschlossen: Kletterparks, Indoorspielplätze, Hallenbäder, Turnsäle für diverse Sportarten etc.

Aus diesen Gründen haben wir uns entschlossen, diesen eindringlichen Appell an Sie als Entscheidungsträger und Verantwortliche für Gesundheit und Sport zu richten. Wir sind NachwuchsleiterInnen in Vereinen des österreichischen Fußballverbandes und hören die Auswirkungen der Corona-Maßnahmen auf Kinder beinahe täglich. Eltern berichten uns von der Antriebslosigkeit ihrer Kinder, von Gewichtszunahme, von „gar nicht mehr aus dem Haus gehen wollen“ und sogar von „nicht mehr leben wollen“. Alles, was Spaß macht, ist verboten. Und das schon zu lange. Kinder brauchen andere Kinder zur Bewegung. Kinder brauchen das Spiel.

Deshalb unser Appell: Geben Sie den Sport im Freien für den Nachwuchsbereich umgehend frei!

Selbstverständlich unter Einhaltung erprobter Hygienekonzepte: Im Fußball z.B. benützen die Kinder keine Kabinen, kommen bereits in Trainingskleidung und natürlich mit eigener Trinkflasche zum Training (inkl. Anwesenheitsliste – Stichwort nachzuvollziehende Infektionskette). Wir sprechen hier ausschließlich von Training im Freien. Wir verstehen, dass in einem ersten Öffnungsschritt keine sportlichen Veranstaltungen wie Turniere etc. machbar sind.

Die Zeit drängt, wir verlieren gerade zehntausende Kinder, die Kollateralschäden der für Kinder nicht verhältnismäßigen Maßnahmen, sind enorm! Es liegen keine faktenbasierten Daten vor, die belegen, dass die sportartüblichen, kurzen Körperkontakte im Freien eine Ansteckungsgefahr darstellen. Wir wollen darauf hinweisen, dass zurzeit Kontakte unter Kindern oftmals intensiver stattfinden (in Schule - auch in Betreuung), auch außerhalb von Institutionen (private Treffen mit Freunden, Garten, Einkaufszentren - wenn geöffnet) und oft sogar im engen Raum (Bus, Straßenbahn). Wir halten es für zumindest möglich, dass die Anzahl der intensiven Kontakte bzw. die Ansteckungsgefahr durch ein Zulassen von Sport im Freien unter kontrollierten Bedingungen sogar verringern könnte, zumindest die Lage nicht verschlechtern würde, weil sich Kinder vermehrt draußen aufhalten würden.

Über dies hinaus vermissen wir eine öffentliche Debatte darüber, welche Maßnahmen uns gesundmachen und unser Abwehrsystem stärken. Es macht mit Kindern etwas, wenn ständig vorgeschrieben wird, was nicht erlaubt ist. Wir erkennen an, dass wir uns in einer Gesundheitskrise befinden, in der Entscheidungen nicht immer einfach zu treffen sind. Wir vermissen dennoch einen etwas differenzierten Blick auf die Lage – es wird auch ein Leben nach Corona geben und wir drücken unsere Besorgnis darüber aus, wie die Welt in naher Zukunft aussehen wird. Wir befürchten einen akuten Bewegungsmangel bei Kindern, welche vorwiegend nur in Institutionen (Vereine, Schule) Sport ausüben und deren Eltern keine Vorbildwirkung zeigen. Es wird zurzeit viel von Risikopatienten gesprochen, wir produzieren durch Schließung der Sportanlagen vermehrt Risikopatienten der Zukunft.

Auf der Homepage www.kinderbrauchensport.at sind alle Unterzeichner dieses Briefes (Nachwuchsleiter aus Vereinen in Österreich) und Unterstützer unserer Forderung zu sehen. Bitte nehmen Sie unseren Appell ernst! Sport leistet einen wesentlichen Beitrag zur Gesundheit. Sport weiterhin nicht bzw. nur sehr eingeschränkt zu ermöglichen, wäre für die Kinder, ihre Gesundheit und unsere gesamte Gesellschaft verheerend und nicht wieder wettzumachen. Ihnen entgehen sportmotorische Fortschritte, die sie sich nur/am besten in diesem Alter aneignen können. Wir bitten Sie Outdoorsport freizugeben, nicht um irgendwelche Titel mit den Kindern gewinnen zu wollen, sondern um den Kindern eine faire Chance für ein gesundes Leben zu geben.

Mit sportlichen Grüßen Initiative „Kinder brauchen Sport!“

 

Hier kann man die Online-Petition unterschreiben.

 

by René Dretnik

Foto: privat

S2F: Bitcoin auf dem Weg zu 100.000 $ bis Ende 2021?