Coach des SC Imst: „Wir befinden uns verdient mitten im Play-Off-Rennen!“

Es wird Zeit über das wohl schwierigste Fußballjahr seit 1945 Bilanz zu ziehen. Corona hatte nicht nur den Fußball im Griff, auch das gesamte Gesellschafts- und Wirtschaftsleben hat unter der Pandemie 2020 gelitten und wir alle stehen vor einem äußerst schwierigen Winter 20/21. Die Bilanz für den SC Sparkasse Imst 1933 zieht Herbert Ramsbacher, Manager Sport und Trainer des sensationellen Tabellenzweiten der Regionalliga Tirol nach dem fast abgeschlossenen Grunddurchgang, der nach dem zweiten Lockdown am letzten Oktoberwochenende unterbrochen wurde.

 

Wie ist man mit dem Verlauf der Herbstsaison zufrieden?

Herbert Ramsbacher, Manager Sport und Trainer SC Sparkasse Imst 1933: „Mit Tabellenrang zwei in die Winterpause zu gehen, fühlt sich noch ein wenig unrealistisch an. Aber es ist der Lohn harter Arbeit und unglaublichem Teamwork. Aufgrund unserer Performance über den gesamten Herbst hinweg, befinden wir uns verdient mitten im Playoff Rennen!“

Wie war die Stimmung innerhalb der Mannschaft?

Herbert Ramsbacher: „Das Team war nach den zwei Kantersiegen zu Beginn der Saison nicht himmelhoch jauchzend und hat die Nerven nach den zwei darauffolgenden Niederlagen nicht weggeworfen. Durch den anschließenden Punktegewinn in Kitzbühel konnten wir Konstanz in unser Spiel bringen. Der Staff muss die Stimmung immer eher erden, damit wir fokussiert in die kommenden Aufgaben starten.“

Man wusste ja teilweise bis wenige Stunden vor dem Anpfiff nicht, ob überhaupt gespielt werden darf. Wie ist man mit dieser herausfordernden Situation umgegangen? Wie hat man die Spannung hochgehalten?

Herbert Ramsbacher: „Es war aufgrund der besonderen Umstände ein unglaublich intensives Jahr 2020. Die lange Vorbereitung auf die Meisterschaft, der ständig geänderte Spielplan aufgrund der Covid Fälle in unserem Land, das Fokussieren auf die neunzig Minuten am Wochenende waren wirklich eine besondere Herausforderung für jeden Einzelnen im Verein. Spieler, Staff, Verantwortliche des Clubs waren tatsächlich oft an der Grenze der Belastbarkeit und Zumutbarkeit. Ich bin dankbar mit dem SC Sparkasse Imst 1933 in einem Umfeld arbeiten zu dürfen, in dem auch in dieser schwierigen Zeit der Zusammenhalt und die Liebe zum Sport immer im Vordergrund steht.“

Gab es vereinsintern Maßnahmen, um die Ansteckungsgefahr in der Kabine bzw. auch in der Kantine möglichst gering zu halten?

Herbert Ramsbacher: „Wir hatten tatsächlich im gesamten Jahr keinen einzigen positiven Fall in unserem Umfeld. Wir waren ein Vorreiter mit unserem von Martin Schneebauer, Manuel Westreicher und Frank Raich ausgeklügeltem Covid-Sicherheitskonzept.“

Können Sie den Stopp des Fußball-Unterhauses Anfang November nachvollziehen?

Herbert Ramsbacher: „Wenn ich in den letzten zwei Wochen in die Velly Arena fuhr und dort gerade die Herbstsonne das Stadion flutete, blutet jedem der irgendwie mit Sport zu tun hat und vom vorzeitigen Aus betroffen ist, natürlich das Herz. Der Tiroler Fußballverband muss sich aber den Anweisungen der Regierung beugen und handelt nach bestem Wissen und Gewissen. Ohne Verantwortung übernehmen zu müssen ist es natürlich einfach solche Entscheidungen zu kritisieren. Ich wünsche mir etwas mehr Bedacht bei diversen kritischen Stimmen!“

Denken Sie, dass – anders als im Frühjahr 2020 – im Frühjahr 2021 gespielt werden kann, also ab März oder April?

Herbert Ramsbacher: „Ich bin sehr positiv eingestellt und meine Planungen belaufen sich auf einen Saisonstart mit Ende Februar. In der Vorbereitungszeit darauf müssen wir im Staff wieder erfinderisch sein, aber  da konnten wir heuer ja bereits genug Erfahrungen sammeln.“

Umsatzeinbußen im Herbst und deren Folgen?

Herbert Ramsbacher: „Unser Präsident Peppo Eisenbeutl mit seinem gesamten Vorstandsteam kurbelte unermüdlich, um alles am Laufen zu halten. Die Umsatzeinbußen sind enorm und ich hoffe, dass unser Sportminister die versprochenen Entschädigungen zur Gänze den Vereinen zukommen lässt. In Imst sind die Folgen der geringen Zuschauereinnahmen und auch jene der Kantine enorm. Im letzten Spiel des Herbstes, beim Derby gegen Telfs, wären normal weit über 1000 Zuschauer in die Velly Arena gepilgert und hätten bis spät in die Nacht gefeiert. So mussten wir nach 249 Zuschauern das „Ausverkauft Schild“ anbringen und die Kantine musste komplett geschlossen bleiben.“

Rechnet man im Winter mit Transferbewegungen?

Herbert Ramsbacher: „Durch die herausragenden Leistungen in dieser Saison und den spektakulären Spielen sind wir nun in einer Situation, die wir uns alle gemeinsam erarbeitet haben. Junge Talente aus der Region wollen aus Eigeninitiative zu uns weil sie bemerken, hier in Imst tut sich was. Mit dem Juniors Team in der Bezirksliga bieten wir die optimale Plattform, um sich für die Regionalliga vorzubereiten und zu empfehlen. Sollte ein namhafter Spieler am Markt sein, der uns sofort  entscheidend weiterhilft und unseren Weg mitgehen möchte, werden wir uns bestimmt damit auseinandersetzen.“

Auf welchen Positionen sieht man Handlungsbedarf?

Herbert Ramsbacher: „Wir wollen uns in der Breite noch besser aufstellen um noch flexibler zu sein. Mit Muran Deniz kommt ein Außenverteidiger nach langer Verletzungspause zurück. Diese Rückkehr fühlt sich beinahe wie eine Neuverpflichtung an. Außerdem werden wir wieder zwei bs vier jungen Spielern die Chance auf den Regionalligakader geben.“

Persönlichen Anliegen und Wünsche für den Winter 2020/21 und hoffentlich der planmäßigen Fortsetzung im März/April 2021

Herbert Ramsbacher: „Wenn ich mir etwas wünschen darf, dann ist es ausschließlich Gesundheit. Es ist unser höchstes Gut und die Basis von Allem. Man sieht, speziell in der heutigen Zeit, wie wertvoll unser Gesundheitssystem und unser Zusammenhalt in unserem Land sind. Sportlich gesehen wünsche ich mir eine gesunde Weiterentwicklung des gesamten Vereins auf allen Ebenen.“