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Nach Verbannung aus der Kampfmannschaft: Dogan Erdogan im Ligaportal-Interview

Dogan Erdogan wird den LASK nach dreieinhalb Jahren, 74 Pflichtspielen und über 5600 Einsatzminuten verlassen. Der 22-jährige Türke, der erst im August dieses Jahres seinen Vertrag bei den Athletikern bis Sommer 2020 verlängert hatte, teilte Trainer Oliver Glasner vor wenigen Wochen mit, dass er im Winter den Klub verlassen möchte. „Seine Trainingsleistungen waren zuletzt nicht so, wie man es sich vorstellt. Es wäre dem Team nicht fair gegenüber, weiter auf einen Spieler zu bauen, der die Mannschaft im Stich lässt, wenn sie ihn braucht“, gab LASK-Coach Oliver Glasner vor einer Woche im Zuge einer Pressekonferenz zu Protokoll. Nun spricht Dogan Erdogan im exklusiven Ligaportal-Interview über seine Verbannung aus der Kampfmannschaft, seine Enttäuschung über Oliver Glasner, seinen bevorstehenden Abschied aus Linz und seine sportliche Zukunft. 

 

Dogan Erdogan wollte unbedingt spielen, doch LASK-Coach Oliver Glasner plante nicht mehr mit ihm. Foto: Harald Dostal/fodo.media

Ligaportal: Dein Trainer Oliver Glasner verkündete vor einer Woche in einer Pressekonferenz, dass deine Trainingsleistungen nicht seinen Vorstellungen entsprechen und du die Mannschaft im Stich lässt. Teilst du diese Einschätzung? 

Dogan Erdogan: Eigentlich nicht. Ursprünglich wollte ich mich zu dieser Geschichte nicht äußern, aber nachdem er der Presse gesagt hat, dass ich das Team im Stich lasse, möchte ich die Sache aufklären. In der letzten Augustwoche dieses Jahres suchte ich das Gespräch mit Oliver Glasner, um ihn nach seiner ehrlichen Meinung zu fragen, wie es mit mir weitergehen soll. Immerhin kehrte ich von einer achtmonatigen Verletzungspause zurück - das war eine sehr schwierige Situation für mich. Ich fragte ihn, ob ich den Klub wechseln soll, damit ich Spielpraxis bekomme oder, ob es für mich besser wäre, wenn ich beim LASK bleibe. 

 

Ligaportal: Wozu hat er dir geraten?

Dogan Erdogan: Er meinte, dass er mir nichts versprechen könne, aber dass es für mich besser wäre, hierzubleiben. Also dachte ich, er würde mir wenigstens die Chance geben, zurückzukommen und Spiele zu machen. Immerhin habe ich 74 Pflichtspiele unter seiner Leitung absolviert - Ich dachte, wir würden uns verstehen.

 

Ligaportal: Dann kam aber alles anders…

Dogan Erdogan: Nach dem Spiel gegen Besiktas, wo ich nur zwei Minuten spielen durfte, habe ich beim 1:0-Sieg gegen die Admira meine ersten 90 Minuten nach der langen Verletzungspause gemacht (Anm.: Ein Muskelfaserriss im Adduktorenbereich sowie eine Schambeinentzündung zwangen den damaligen U21-Kapitän der Türkei zu einer achtmonatigen Auszeit). In diesem Spiel lief ich 12 Kilometer - Das ist nach so einer Verletzung nicht üblich. Ich dachte und hoffte, dass er mir nach dieser Leistung weitere Einsätze verschafft. Danach habe ich allerdings keine Chance bekommen. Was mich besonders ärgerte war das Mattersburg-Spiel (Anm.: das der LASK am 16. September 3:1 gewann). Wir lagen nach 75 Minuten 3:0 vorne, das Spiel war praktisch gewonnen. Da hatte ich eigentlich erwartet, dass ich eingewechselt werde und ein paar Minuten bekomme. Stattdessen bin ich über die gesamte Spielzeit auf der Bank gesessen. 

 

Ligaportal: Im Rückspiel gegen Besiktas durftest du keine einzige Minute spielen. War das der Zeitpunkt, wo du gemerkt hast, dass Trainer Glasner nicht mehr mit dir plant?

Dogan Erdogan: Ich wollte unbedingt gegen Besiktas spielen, das ist sicher. Natürlich war ich enttäuscht nach dem Spiel, aber ich sagte zu mir: „Ok Dogan, du bist nach einer langen Verletzung zurückgekommen und musst da drüberstehen“. Für mich war der Knackpunkt das Auswärtsspiel gegen Austria Wien. Der Trainer wollte mich in der 92. Minute einwechseln. Ich war schon bereit, doch bevor ich reinkommen konnte, hatte der Schiedsrichter das Spiel schon beendet. Da ging mir durch den Kopf: „Das ist nicht der Trainer, mit dem ich im Sommer über meine Comeback-Pläne gesprochen habe.“ Das war der Grund, warum ich mich nicht mehr motivieren konnte. 

 

Ligaportal: Danach hast du erneut das Gespräch mit Oliver Glasner gesucht und dem Klub mitgeteilt, dass du im Winter wechseln möchtest?

Dogan Erdogan: Ich fühlte, dass etwas nicht stimmt und deshalb suchte ich das Gespräch mit dem Trainer. Ich sagte zu ihm, dass ich meinen Glauben und meine Motivation verloren habe. Ich war immer ehrlich zu ihm, habe nie hinter seinem Rücken geredet und immer von Angesicht zu Angesicht mit ihm gesprochen. Wir hatten immer einen guten Draht zueinander, aber eine Sache, die er zu mir gesagt hat, machte mich ziemlich traurig. Er meinte, dass er mir eine Chance im Hinspiel gegen Besiktas gegeben hätte. Dort habe ich aber nur zwei Minuten gespielt - Was ist das bitte für eine Chance? Ich ging bereits nach dem Mattersburg-Spiel zu Jürgen Werner und sagte ihm, dass es das Beste wäre, wenn ich im Winter den Verein verlasse, weil der Trainer nicht mehr mit mir plant. Ich habe das auch deshalb mitgeteilt, damit sich der Klub auf meiner Position nach einem neuen Spieler umsehen kann.

 

Ligaportal: Du stehst seit Juli 2015 beim LASK unter Vertrag, hattest in der Saison 2016/17 einen entscheidenden Anteil an der Rückkehr und dem Aufstieg in der Bundesliga. Im August dieses Jahres hast du deinen Vertrag bis Sommer 2020 verlängert. Das zeigt, dass du dich mit dem LASK identifizierst und dich dem Klub sehr verbunden fühlst. Nun wurdest du suspendiert und zur zweiten Mannschaft „verbannt“. Wie gehst du mit dieser Situation um? 

Dogan Erdogan: Ich lernte das Fußballspielen zwar in der Türkei, aber ich bin davon überzeugt, dass ich erst in Österreich ein professioneller Spieler wurde. Ich habe dem LASK sehr viel zu verdanken, weil ich hier sozusagen großgezogen wurde, regelmäßig gespielt und sehr viel gelernt habe. Deswegen verlängerte ich meinen Vertrag, damit der Klub bei einem Transfer Geld verdient. Nun bin ich in dieser schwierigen Situation. Ich bin weder böse auf den Klub noch auf meine ehemaligen Mitspieler. Der Trainer hat die Entscheidung getroffen, dass ich mit der zweiten Mannschaft trainieren muss. Ich gehe damit professionell um. 

 

Ligaportal: Hast du noch Kontakt zu deinen ehemaligen Kollegen aus der Kampfmannschaft?

Dogan Erdogan: Zurzeit habe ich so gut wie keinen Kontakt zu Spielern aus der ersten Mannschaft. Sie haben ihre Trainingszeiten, wir haben unsere. Das soll aber nicht heißen, dass es Probleme zwischen uns gibt. Wir hatten immer einen guten Teamspirit. Wenn ich einem ehemaligen Mitspieler begegne, grüße ich ihn ganz normal.

 

Ligaportal: Wo siehst du deine sportliche Zukunft? Könntest du dir einen Verbleib in Österreich vorstellen oder zieht es dich ins Ausland?

Dogan Erdogan: Aktuell geht es für mich nur darum, fit zu bleiben und nach vorne zu schauen. Ich habe wegen meiner Verletzung acht Monate verloren. Jetzt kommen sozusagen fünf weitere dazu. Für mich ist das eine sehr schwierige Situation, da ich mehr als ein Jahr praktisch nicht gespielt habe. Ich werde mir meine Optionen genau ansehen. Zurzeit ist meine Zukunft aber noch unklar. Es ist ja noch etwas Zeit bis zur nächsten Transferperiode. 

 

Ligaportal: Denkst du, dass die öffentliche Kritik von Oliver Glasner deine Suche nach einem neuen Verein erschwert? 

Dogan Erdogan: Seine Aussage, dass ich das Team im Stich lasse, ist nicht gut für meinen Ruf. Wenn ein Trainer, mit dem du gemeinsam einen Titel gewonnen hast, so etwas sagt, dann ist das nicht korrekt.

 

Ligaportal: Du stehst bei „Stars&Friends“, der Spieleragentur von LASK-Berater Jürgen Werner, unter Vertrag. Fürchtest du, dass es deshalb zu Komplikationen kommen könnte?

Dogan Erdogan: Das wirkt wie ein Dilemma, aber ich sprach bereits mit meinem türkischen Berater, einem Partner von Stars&Friends, der für mich zuständig ist. Natürlich besteht eine Verbindung, aber mein Berater arbeitet gut mit der Agentur zusammen. Deswegen habe ich ehrlich gesagt keine Bedenken, dass hier etwas schieflaufen könnte.

 

Ligaportal: Wie schwer fällt dir der Abschied aus Linz und was wirst du besonders vermissen? Immerhin hast du dreieinhalb Jahre hier gelebt. 

Dogan Erdogan: Ich habe hier sehr viel gelernt, bin zu einem professionellen Fußballer herangereift und habe meinen ersten Titel im Profibereich gewonnen. Außerdem habe ich viele nette Menschen kennengelernt und österreichische Freunde gefunden. Ich werde wirklich viel vermissen, aber wenn ich meinen Job nicht ausüben kann, ist das nicht meine Heimatstadt. Ich muss meinem Beruf als Profifußballer nachgehen können, ansonsten bin ich nicht glücklich. 

 

Ligaportal: Was waren deine schönsten Momente mit dem LASK?

Dogan Erdogan: Das Größte war natürlich der Aufstieg in die Bundesliga 2016/17 und der damit verbundene Gewinn der Meisterschaft in der 2. Liga. Das war ein großartiges Gefühl. Als ich hierher kam, haben wir den Aufstieg noch knapp verpasst (Anm.: St. Pölten schaffte in der Saison 2015/16 den Sprung in die Bundesliga). In meinem zweiten Jahr stiegen wir aber völlig verdient auf - das war mein Highlight. 

 

Ligaportal: Könntest du dir vorstellen, irgendwann zum LASK zurückzukehren? 

Dogan Erdogan: Man weiß nie, was die Zukunft bringt. Im Fußball kann es so schnell gehen. Diesen Sommer verlängerte ich noch meinen Vertrag und jetzt befinde ich mich in dieser schwierigen Situation. Ich sage immer: ‚Im Fußball ist alles möglich.‘ 

 

Ligaportal: Dogan, vielen Dank für das Interview und alles Gute für deine weitere fußballerische Karriere. 

Dogan Erdogan: Danke vielmals. 

 

 

Das Interview führte Daniel Ringsmuth

 

 

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