Diana Langes-Swarovski: „Ich werde nicht versuchen, Wacker Innsbruck etwas wegzunehmen“

Mit Herz, Leidenschaft und Hingabe hat Diana Langes-Swarovski den Tiroler Fußballklub WSG Swarovski Wattens zu einem Bundesliga-Verein geformt. Im Jahr 2013 übernahm die Ur-Ur-Enkelin von Daniel Swarovski, Gründer des weltbekannten Kristallherstellers Swarovski, von ihrem Vater Gernot Langes das Amt der Präsidentin. 2016 schaffte die WSG den Sprung von der Regionalliga West in die 2. Liga, ehe man drei Jahre später den ganz großen Coup landete und sensationell in die Tipico Bundesliga aufstieg. Ligaportal traf die bodenständige Präsidentin des Neo-Bundesligisten zum Gespräch in der Wiener Innenstadt. Die 47-Jährige sprach über die Hintergründe der Namensänderung in WSG Swarovski Tirol, über Ziele und Erwartungen in der Bundesliga, über das Miteinander und warum sie sich besonders auf das Heimduell gegen Rapid freut. 

Ligaportal: Frau Langes, knapp drei Wochen ist es nun her, dass Sie mit der WSG den sensationellen Aufstieg in die Tipico Bundesliga perfekt machten. Nach dem Sieg in Horn am letzten Spieltag war der Jubel nicht nur bei Ihren Spielern, sondern auch bei Ihnen selbst enorm groß. Konnten Sie schon realisieren bzw. einordnen, dass Sie mit der WSG nun zu den besten zwölf Fußballmannschaften Österreichs zählen? 

Diana Langes: Es ist ein Traum, der wahr geworden ist, auf den haben wir jetzt sechs Jahre hingearbeitet. Es ist ganz schwer, von diesem „high“ in den Alltag zurückzukommen. Man merkt es einfach auch jetzt tagtäglich an der Arbeit, die auf uns zukommt, wie real das wirklich ist. Es ist einfach komplettes Neuland und wir müssen uns dahinterklemmen. 

Ligaportal: Mit dem Aufstieg in die Tipico Bundesliga geht auch eine Namensänderung einher. Wie Sie in einem Interview bereits angekündigt haben, wird man ab der kommenden Saison unter dem Namen WSG Swarovski Tirol antreten. Welche Überlegungen stecken dahinter. Möchte man damit den Status als Nummer eins Tirols signalisieren? 

Diana Langes: Die Namensänderung wollte ich eigentlich schon an dem Tag machen, wo ich Präsidentin geworden bin und wenn wir aufsteigen, dann wird es passieren und genauso haben wir es jetzt auch umgesetzt. Das hat diesen Grund, weil wir als Wattens stellvertretend für alle Dörfer, Höfe und Menschen in Tirol, die keinen Hauptstadt-Status haben, erfolgreichen Fußball spielen wollen.

Ligaportal: Swarovski Tirol wird seine Heimspiele im Tivoli-Stadion in Innsbruck austragen. Der Umstand, dass ein Aufsteiger seine Heimspiele nicht in der „eigenen Festung“ austragen kann, ist sicher kein Vorteil. Wacker Innsbruck hatte in der abgelaufenen Saison einen Zuschauerschnitt von 4700. Mit welchen Aktionen möchten Sie die Tiroler für die Heimspiele Wattens begeistern? 

Diana Langes: Es ist auf jeden Fall kein Vorteil dort zu spielen, aber wir werden uns schon durchsetzen. Natürlich wäre es daheim fein, weil es familiärer ist. Wir wollen jetzt einfach die Menschen mit sportlichem Erfolg zu uns in das Stadion holen und unser schönes Bundesland toll repräsentieren. 

Ligaportal: Es gibt allerdings bereits Sanierungspläne für das heimische Gernot-Langes-Stadion. Wie soll das Stadion nach dem Umbau aussehen? 

Diana Langes: Es gibt Pläne, aber da spielen noch so viele Faktoren mit. Leider ist noch nichts fix. Es hätten dann 6000 Leute Platz.

Ligaportal: Sie kündigten zuletzt an, dass der Wattener Sportgemeinschaft aktuell 5,7 Millionen Euro an Budget zur Verfügung stünden. Diese Summe soll sich dank neuer Sponsoren sowie durch Subventionen des Landes Tirol erhöhen. Spielt Ihnen der Abstieg von Wacker Innsbruck in dieser Angelegenheit sogar in die Karten? Es ist doch anzunehmen, dass für das Land sowie für Sponsoren der höherklassige Verein attraktiver ist. 

Diana Langes: Ich habe immer auf Gleichberechtigung gesetzt. Jetzt schauen wir einmal, was an Handschlagqualitäten wahr wird. Sponsorentechisch werden wir sehen was passiert. Ich habe da meine eigenen Quellen und ich werde nicht versuchen Wacker Innsbruck etwas wegzunehmen. Die Gleichberechtigung von öffentlichen Geldern ist schon ein Muss. Wir werden das Budget auf rund sieben Millionen Euro erhöhen. 

Ligaportal: Gab es Pläne für eine Fusion mit dem FC Wacker Innsbruck? In den 70er-Jahren durchlebte man im „Duett“ schließlich die erfolgreichste Zeit (vier Mal Meister, vier Mal Cupsieger). 

Diana Langes: Es gab bis dato noch nie Pläne von mir mit Wacker Innsbruck, ich war immer dagegen. Weil wir einfach zwei komplett verschiedene Vereine mit unterschiedlichen Philosophien sind. Es würde einfach überhaupt keinen Sinn machen. 

Ligaportal: Welche Ziele steckt sich die WSG Swarovski Tirol in ihrer ersten Bundesliga-Saison?

Diana Langes: Wir wollen einfach in der Tipico Bundesliga drinnen bleiben, das ist ja alles komplettes Neuland jetzt. Wir wollen es langsam angehen. 

Ligaportal: In der Tipico Bundesliga gab es in den letzten Wochen und Monaten zahlreiche Trainerentlassungen. Wie stehen Sie zu dieser aktuellen Entwicklung? Können Sie ausschließen, dass Thomas Silberberger im Falle einer Niederlagenserie dasselbe Schicksal wie seinen Kollegen ereilt? 

Diana Langes: Wir sind extrem zufrieden mit unserem Trainer. Er war bis jetzt gut und es ist nichts anderes geplant. Ich glaube an Kontinuität und wie man sieht, bin ich damit auch richtig gefahren. Auf die Ligareform würde ich die Entlassungen nicht zurückführen. Der Trainer muss die Mannschaft kennen und wissen, was in das Umfeld passt.

Ligaportal: Wie sieht es mit der Kaderplanung aus? Mit Stefan Hager, Julian Gölles (beide von Wiener Neustadt) sowie Zlatko Dedic (von Absteiger Innsbruck) konnte man bereits drei Neuzugänge präsentieren. Wie viele weitere sollen noch folgen?

Diana Langes: Wir planen noch ein bisschen was und werden dann etwas bekannt geben, wenn es soweit ist. Gerüchte gibt es viele. 

Ligaportal: Einen schmerzhaften Abgang gibt es allerdings auch zu verzeichnen. Mit Andreas Dober verlässt ein absoluter Leader den Verein. Wie haben Sie den ehemaligen Rapidler kennengelernt?

Diana Langes: Er ist so ein toller Mensch. Einer der alle mitreißt und total motivieren kann. Mir tut es wirklich sehr leid, dass er weg ist, aber wir können leider keinen Kader von 150 Leuten haben (lacht). Er ist nicht nur sehr lieb, lustig und mitreißend, sondern auch ein intelligenter Mann, der etwas im Kopf hat. 

Ligaportal: Nach dem Aufstieg in die Bundesliga sind Sie nach Brigitte Annerl (TSV Hartberg) die zweite weibliche Präsidentin in Österreichs höchster Spielklasse. Ein schönes und wichtiges Zeichen, um zu zeigen, dass auch Frauen erfolgreich einen Fußballverein führen können. Pflegen Sie einen guten Kontakt zur Hartberg-Präsidentin?

Diana Langes: Wir kommen sehr gut miteinander aus und haben guten Kontakt. Wir unterstützen uns auch gegenseitig. Aber ich bin der Meinung, dass es generell viel mehr ein Miteinander geben sollte. In den 90 Minuten muss man natürlich gegeneinander sein, aber sonst sollte man zusammenhalten. Mir kommt es so vor, dass es früher viel mehr ein Miteinander war, als es jetzt ist. 

Ligaportal: Mit welchen Emotionen verfolgt die Präsidentin der WSG die Spiele?

Diana Langes: Ich bin schon ein emotionaler Mensch. Während des Spiels muss ich mir schon auf die Zunge beißen, damit ich nichts rausschreie. 

Ligaportal: Wie ist Ihre Leidenschaft für den Fußballsport entstanden?

Diana Langes: Durch den Ort, in dem ich groß geworden bin und durch meinen Vater. Es war immer schon die Begeisterung für den Fußball. Die ganzen Stadionmomente, die ich als Kind erleben durfte, haben mich eingefangen und mir diese Leidenschaft mitgegeben. 

Ligaportal: Auf welche Partien freuen Sie sich am meisten in der kommenden Bundesliga-Saison? 

Diana Langes: Ich freue mich eigentlich auf alle Partien. Wir messen uns ab jetzt mit den ganz Großen - das ist der Wahnsinn. Rapid wird sicher ein Riesending. Ich freue mich auf den Moment, wenn unser ganzes Stadion grün-weiß ist. Ich hoffe, dass es dann irgendwann auch einmal so ausschaut - nur von uns alleine. 

Ligaportal: Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute für die kommende Bundesliga-Saison. 

 

Das Gespräch führten Ricarda Hoy und Daniel Ringsmuth

 

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