Spielberichte

Verrückte Fußballwelt: Austria Wien trotz Heimblamage gegen Altach in der Meistergruppe

Austria Wien hat am Sonntagnachmittag trotz einer blamablen Heimpleite gegen den SCR Altach die Teilnahme an der Meistergruppe fixiert. Die Veilchen verloren in der 21. Bundesliga-Runde zu Hause gegen die Vorarlberger mit 1:3, bleiben aber dennoch auf dem dritten Tabellenplatz, da sowohl St. Pölten, WAC und Sturm nicht gewinnen konnten. Die Altacher hingegen feierten beim Trainerdebüt von Interimscoach Wolfgang Luisser einen souveränen und nicht unverdienten Auswärtssieg gegen die Wiener, verließen damit den letzten Tabellenplatz und sind neuer Tabellenelfter. 

Letsch setzt auf Power-Offensive - Luisser krempelt Startelf um 

Austria-Trainer Thomas Letsch baute seine Startelf gegenüber dem 4:2-Heimsieg vor einer Woche gegen Hartberg auf zwei Positionen um. Schoissengeyr rückte erwartungsgemäß für den rotgesperrten Igor in die Innenverteidigung der Violetten. Außerdem setzte Letsch heute auf „volle Attacke“, bot mit Alon Turgeman anstelle von Prokop (Bank) einen weiteren Stürmer auf. Der Israeli stürmte gemeinsam mit Bright Edomwonyi. Christoph Monschein nahm die Position von Dominik Prokop am linken Flügel ein. 

Altachs Interimscoach Wolfgang Luisser nahm im Vergleich zur letzten Aufstellung von Werner Grabherr drei personelle Umstellungen vor. Jan Zwischenbrugger, Simon Piesinger und Manfred Fischer, die gegen die Admira noch in der Startelf gestanden waren, saßen heute zunächst nur auf der Bank. Dafür rotierten Felix Luckeneder, Marco Meilinger und Samuel Oum Gouet in die Anfangsformation der Vorarlberger. 

Befreit aufspielende Gäste bringen die Austria gewaltig ins Wanken

Die Gäste aus Altach starteten engagiert, hatten in der Anfangsphase mehr vom Spiel und erwischten einen Traumstart: Mergim Berisha tankte sich stark in den Strafraum, narrte Igor-Ersatzmann Schoissengeyr und brachte den Ball mit etwas Glück zu Meilinger, der aus kürzester Distanz nur mehr einschieben musste - 0:1 (4.). Was für ein Fehlstart der Wiener Austria! Die Antwort der Veilchen ließ aber nicht lange auf sich warten: Zech spielte einen fürchterlichen Rückpass, den sich Turgeman geistesgegenwärtig schnappte und aus spitzem Winkel abzog. Das Leder prallte in Ping-Pong-Manier von der Stange vor die Füße von Edomwonyi, der aus kurzer Distanz auf 1:1 stellte (11.). Die Hausherren wirkten in den darauffolgenden Minuten stärker, doch das dritte extrem kuriose Tor an diesem Sonntagnachmittag erzielten erneut die Gäste: Berisha verlängerte einen Nutz-Freistoß ins Zentrum, wo Netzer das Leder mit seinem Oberschenkel irgendwie ins Tor der Veilchen wurschtelte - 1:2 (21.). 

Mit Fortdauer der ersten Halbzeit waren es aber die Violetten, die dem Ausgleich näher waren: Zunächst warf sich Zech waghalsig in einen wuchtigen Schuss von Monschein, verhinderte somit den neuerlichen Ausgleich (34.), ehe ein Lupfer von Turgeman über Altach-Keeper Kobras hinweg auf der Latte landete (45.). Bitter für Altach: Philipp Netzer, Torschütze und Kapitän der Gäste, musste kurz vor der Pause verletzungsbedingt ausgewechselt werden. Für ihn kam Jan Zwischenbrugger ins Spiel. 

Veilchen verlieren, kassieren Pfiffe, sind aber trotzdem in der Meistergruppe 

Altach startete mit Schwung in die zweiten 45 Minuten und fand umgehend die ersten Chance vor: Karic zog aus 20 Metern einfach mal ab, doch sein Versuch wurde von Klein knapp neben das Tor abgefälscht (47.). Die Veilchen taten sich gegen disziplinierte Altacher weiterhin schwer, fanden kaum brauchbare Tormöglichkeiten vor. Alexander Grünwald konnte von der Strafraumgrenze mal abziehen, doch sei Versuch zischte knapp über den Kasten von Kobras (58.). 

Mit Fortdauer der zweiten Halbzeit zogen sich die Altacher zunehmends zurück und die Austria wusste um den Ernst der Lage Bescheid. Prokop und Sax kombinierten sich sehenswert ins vordere Drittel, doch die scharfe Hereingabe von Sax fand keinen Abnehmer (75.). Kurz vor Schluss machten die Gäste aus Vorarlberg alles klar: Nachdem Pentz den durchgebrochenen Fischer unsanft von den Beinen geholt hatte, zeigte Referee Schüttengruber auf den Punkt: Der eingewechselte Fischer trat selbst an und verwandelte souverän - 1:3 (90.). 

Stimmen zum Spiel

Thomas Letsch, Trainer FK Austria Wien: „Mir ist überhaupt nicht zum Feiern zumute. Es war heute unabhängig vom Ergebnis ein katastrophaler Auftritt von uns. Man kann sich nur bei jedem entschuldigen der im Stadion war und Austria Sympathisant ist. Was wir hier von der ersten Minute an abgeliefert haben war einfach zu wenig. Es ging von Anfang an schon so los, dass wir einfach viel zu passiv und nicht mutig waren. Wir haben im Vorfeld sehr viel über Mut gesprochen. Es war alles zu langsam. Einzelne Spieler wollten den Ball teilweise auch nicht. Unterm Strich haben wir es nicht geschafft, dass wir mutiger waren. Bei Altach wirft sich halt einer dazwischen, das machen wir nicht. So richtig erklärbar ist es im Moment sehr schwer. Wir haben da viele falsche Entscheidungen in Situationen getroffen.“

Maximilian Sax, FK Austria Wien: „Ich weiß ehrlich gesagt nicht was ich sagen soll. Bis auf den LASK und Salzburg ist jeder unverdient in der Meistergruppe. Wie gesagt, wir stellen uns nicht darauf ein, dass wir da jetzt heute 3:1 verlieren. Deswegen fehlen mir da auch ein bisschen die Worte. Wir müssen besser spielen.“

Ralf Muhr, Sportdirektor FK Austria Wien: „Was aus meiner Sicht zu übertreffen ist, war die heutige Leistung. Die war einfach unter jeder Kritik. Das war für jeden Zuschauer hier, für jeden Austria Fan, wirklich katastrophal wie wir uns präsentiert haben. Das gilt es natürlich jetzt auch ordentlich zu ergründen. Es ist schon so, dass direkt jetzt nach dem Spiel eine riesige Enttäuschung aber auch Ernüchterung da ist, weil es auch nicht abzusehen war, dass wir einfach derartig schlecht Fußball spielen, auch mit wenig Esprit und nichts von dem umsetzen, was die Spieler sich vornehmen. Das ist schon sehr ernüchternd muss ich sagen. Der größte Fehler war für mich, dass ich nicht das Gefühl hatte, dass die Spieler wirklich bereit sind Fußball spielen zu wollen. Ich habe überhaupt keine Forderung nach dem Ball gesehen, wenn wir ihn hatten. Da war der Kapitän vielleicht noch ein bisschen die Ausnahme, wo ich das Gefühl hatte, der will hier Fußball spielen. Es sind ihm natürlich auch Fehler passiert. Mir hat einfach der Mut und die Bereitschaft zu einem Fußballspiel gefehlt. Dann geht es einfach nicht. Da muss man sagen, hat Altach hier hochverdient gewonnen.“

Wolfgang Luisser, Trainer SCR Altach: „Zaubertrank hat es keinen gegeben. Wir haben aber die ganze Woche hart gearbeitet, haben Einzelgespräche geführt, im Training Gas gegeben und den Fokus auf Austria Wien gegeben. Es freut mich natürlich, dass es jetzt so ausgegangen ist und vor allem aber auch über die Art und Weise wie wir gespielt haben, dass wir uns bis zum Schluss da reingehaut haben. Wir haben uns das 1:0 fast selbst geschossen, haben aber trotzdem nicht aufgesteckt. Wir sind wieder zurückgekommen. Man hat auch gesehen, dass einige der Jungs da zum Schluss Krämpfe hatten und sie sind trotzdem rübergegangen und haben alles abgerufen was ging. Das macht mich richtig stolz.“

Quelle: Sky

FK Austria Wien - Cashpoint SCR Altach 1:3 (1:2)

Generali-Arena; 9.380 Zuschauer; SR Schüttengruber 

Tore: Edomwonyi (11.) bzw. Meilinger (4.), Netzer (21.), Fischer (90./Elfmeter)

Zum Live-Ticker Austria gegen Altach

Austria: Pentz - Klein, Madl, Schoissengeyr (62./Borkovic), Martschinko (76./Cuevas) - Sax, Grünwald, Matic, Monschein - Edomwonyi, Turgeman (70./Prokop)

Altach: Kobras - Zech, Netzer (40./Zwischenbrugger), Luckeneder - Lienhart, Oum Gouet, Nutz (78./Fischer), Karic - Meilinger, Berisha (77./Gatt), Gebauer

Foto: Richard Purgstaller 

Geschrieben von Daniel Ringsmuth

 

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