Mario Träger zur Corona Pandemie aus der Sicht von Erl

30. März 2020 – der fünfzehnte Tag an dem Österreich wegen der Corona Pandemie faktisch still steht. Seit heute ist absolut klar, dass es nach Ostern keine Lockerung der Maßnahmen geben wird. Es gilt die Neuinfektionsrate weiter nach unten zu drücken, damit die Intensivbehandlungsbetten in den Krankenhäusern in den nächsten Wochen ausreichen. Die größte Gesundheits- und Wirtschaftskrise seit dem zweiten Weltkrieg ist Realität geworden. Es wird aber ein "nach der Krise" geben – im Fußball brodelt die Gerüchteküche. Realistisch muss man wohl davon ausgehen, dass es im Unterhaus frühestens im Herbst mit Fußball wieder losgehen kann. Mario Träger von der SVG Erl schätzt die Situation ähnlich ein. Es gab sogar schon Gerüchte, dass es Unterhaus-Fußball überhaupt erst 2021 wieder geben soll – der ÖFB hat aber derartige Pläne klar dementiert.

 

Corona-Virus - der härteste Gegner für die Menschen, Teams und Sponsoren

Mario Träger: „Die SVG MHM Erl spielte als Aufsteiger eine tolle Rolle in der Herbstrunde und man freute sich zurecht auf das Frühjahr. Doch bevor überhaupt ein erstes Punktspiel über die Bühne gehen konnte, stoppte der Corona-Virus den Elan aller Vereine und entwickelte sich bisher zum härtesten Gegner für die Menschen, Vereine und Sponsoren.“

Was sagst Du zur aktuellen, allgemeinen Corona-Entwicklung?

Mario Träger: „Ich hatte die Entwicklung des Virus schon eine zeitlang in den Medien beobachtet und als in Italien der Virus quasi außer Kontrolle geriet, war zu befürchten, dass der Rest von Europa auch involviert werden würde.“

Sind die Maßnahmen, die die Bundesregierung trifft, gerechtfertigt?

Mario Träger: „Kanzler Kurz und seine Mitstreiter wirken in allen Aussagen sehr ruhig, sehr sachlich und daher entsteht keine Panik beim Volk. Die Maßnahmen sind richtig, denn ohne Ausgangssperre oder gar Quarantäne, hätten wir vermutlich schon Fahrt in Richtung der Zahlen von Italien aufgenommen. Das Gesundheitssystem würde dann wohl ebenso aus den Fugen geraten und wir viele liebe Menschen verlieren. Im übrigen macht auch Herr Platter in Tirol einen guten Job und ist wahrlich nicht zu beneiden.

Gleichzeitig muss man auch dem ÖFB und den TFV loben. Die getroffenen Maßnahmen sind richtig. Ich selber glaube auch nicht mehr an eine Fortsetzung dieser Saison. Vermutlich wird man die Saison 19/20 streichen und 20/21 mit den gleichen Ligen und Teams nochmal starten. Hoffentlich sitzen die Vereine dann auch alle in einem Boot, denn diese Situation um den Virus konnte keiner vorhersehen und man macht es dem Verband durch Beschwerden und Klagen nicht noch schwerer als es schon ist.“

Wie geht Ihr im Verein damit um? Absolvieren alle Spieler Heimtraining? Wird das überprüft?

Mario Träger: „Unsere Spieler und Spielerinnen sollen sich im Rahmen der Möglichkeiten fit halten. Überprüft wird es nicht, wir wissen aber im Verein, dass unsere Teams motiviert sind und sich bewegen werden.“

Gibt es regelmäßig telefonischen Kontakt mit den Spielern?

Mario Träger: „Es gibt Whats-App Gruppen und sofern es etwas zu berichten gibt werden die Teams von den Trainern unterrichtet. Natürlich erkundigt man sich auch nach der Gesundheit.“

Gehen Sie davon aus, dass im Frühjahr gar nicht mehr gespielt wird? Wenn ja, was würde das für die Finanzen Ihres Vereins bedeuten?

Mario Träger: „Wie oben schon erwähnt, halte ich es für fraglich. Erstmal müsste ja der Staat sein grünes Licht geben, dann der Verband und dann müsste man den Teams noch ein paar Tage Zeit geben, sich entsprechend vorzubereiten. Virologen sehen einen "Schnellstart" in den normalen Alltag noch skeptisch, zumal wenn gleich wieder große "Versammlungen" auf Sportplätzen oder in Sporthallen stattfinden. Finanziell ist es wohl für jeden Verein, im Rahmen seiner Möglichkeiten und seiner Position/Liga, nicht so einfach.“

Stehen die Sponsoren in dieser schwierigen Situation weiterhin zum Verein bzw. zu ihren Zusagen?

Mario Träger: „Ich glaube, dass es für alle Beteiligten im Moment eine Herkulesaufgabe ist und wir mit unseren Sponsoren und Gönnern diese schwere Zeit gemeinsam meistern werden. Wir dürfen aber auch unsere Kleinfirmen nicht vergessen, die uns an den Spieltagen unterstützen. Egal ob es der Metzger, der Bäcker, der Lebensmittelmarkt oder der Bierlieferant ist - alle leiden unter der aktuellen Situation. Wir müssen als Partner gemeinsam das Beste aus der Situation machen.“

Welche Maßnahmen wünschen Sie sich von der Bundesregierung, um die Vereine während bzw. nach dieser schweren Zeit zu unterstützen?

Mario Träger: „Wenn unsere Regierung dafür sorgt, alle Arbeitsplätze langfristig zu erhalten, die Umsatzverluste der Firmen und Kleinunternehmer in Grenzen zu halten und somit dann auch die Budgets für Sponsoring nicht gekürzt werden müssen, wäre das ein guter Schritt.

Aber das ist Zukunftsmusik. Erstmal braucht es unbedingt ein Mittel um diesen Virus zu besiegen, damit das weltweite Sterben aufhört und wir keine Angst um unsere ältere Generation und um den Menschen mit Vorerkrankungen haben müssen. Deshalb wünschen wir allen Menschen in den Vereinen und Verbänden in Österreich nur eines: Bleibt bitte gesund, dann stehen wir diese Zeit gemeinsam durch.

Zum guten Schluss noch ein Dank an alle Menschen in unserem Land, die in diesen Tagen zum Dienst müssen, damit der Staat nicht völlig zum Stillstand gelangt. Danke das es euch gibt!“

 

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