Salzburg bricht Meisterschaft ab, Kärnten will es durchziehen, noch keine Entscheidung in Tirol

Nach Niederösterreich und dem Burgenland hat nun auch Salzburg die laufenden Meisterschaften abgebrochen. Das ist wohl eine Entscheidung, die für den gesamten Fußballwesten Signalwirkung haben könnte. Aufgrund der heiklen Situation im Osten Österreichs waren der Abruch in Niederösterreich und Burgenland verständlich, Salzburg ist das erste Bundesland, das im Westen diesen Weg geht.

 

Die Argumentation des Salzburger Verbandes puncto Abbruch 

Vor dem 19. Mai 2021 ist ein Training mit Körperkontakt nicht möglich, vier Wochen Vorbereitung ist das absolute Minimum. Damit wäre der Start der Nachtragspartien der Hinrunde erst am 19./20. Juni möglich. Würde der ÖFB das Zeitfenster bis 3. bzw. 4.6.21 ausdehnen, wären trotzdem nur drei Wochenendspieltermine möglich. "In Anbetracht der überwiegend sehr hohen Belastung und des dadurch auf ein Maximum erhöhten Verletzungsrisikos sowie des derzeit nach wie vor bedrohlichen Pandemiegeschehens, haben die Mitglieder des Vorstandes (die Vereine sind durch die Klassenobmänner vertreten) einstimmig die Anullierung beschlossen", erklärt der SFV in einer Aussendung.

Kärnten will es durchziehen!

In Kärnten sollen die Nachtragsspiele vom Herbst 2021 im Juni nachgetragen werden. Relegationsspiele werden nicht durchgeführt, es gilt eine Quotientenregelung, das heißt, es werden die Punkte pro ausgetragenem Spiel entscheiden. Ob der Landescup ausgetragen wird ist noch nicht fix, das wirkt sich auch auf die Starter in der ersten Runde des ÖFB Cup 21/22 aus. Daraus ergeben sich in den einzelnen Ligen sehr komplexe Situationen, einige Ausfteiger stehen schon fest, in anderen Ligen ist es kompliziert. Absteiger gibt es keine, nur Aufsteiger, die Landesliga wird aufgestockt.

In der Steiermark gehen die Wogen hoch!

Der Widerstand gegen eine „Nachtragsspielzeit“ wird vom SV Frauental mit folgenden Argumenten begründet, die eigentlich für alle Verantwortlichen absolut nachzuvollziehen sind:

Das Hochfahren des Trainings- und Spielbetriebes stellt organisatorisch eine Herkulesaufgabe dar.

Nachdem es um des „Kaisers Bart“ geht, leidet natürlich bei den Vereinsgetreuen die Motivation. Nach 6,5 Monaten Fußballabstinenz hätten wir als SV Frauental zwei Wochen Vorbereitungszeit zur Verfügung – es sind noch 5 Nachtragsspiele zu bestreiten. Wie verhält es sich mit dem Steirer-Cup?

Sportmedizinisch ein Horror, schwere Verletzungen sind vorprogrammiert.

Es müsste bis zum 30.6.2021 gespielt werden. Eine Sommerpause kann es nicht geben, weil die neue Meisterschaft wohl Anfang August starten müsste – 18 Vereine in der LL in der Saison 2021/22!?

Die „Kür“ der Meister und Aufsteiger kann keinesfalls als sportlich fair beurteilt werden, weil einerseits nur 15 Spiele zählen und andererseits diese Nachtragsspiele mit größter Wahrscheinlichkeit nur von den aufstiegswilligen Clubs mit dem entsprechenden Elan und Einsatz absolviert werden. Alle anderen werden diese Partien als lästige Verpflichtungen möglichst locker über die Bühne bringen – „Wettbewerbsverzerrung“!

Ein riesengroßer – der maßgeblichste – Aspekt: Wie sollen die Vereine die daraus resultierende außergewöhnliche budgetäre, finanzielle Belastung stemmen? Allein der finanzielle Aufwand für die pauschale Reiseaufwandsentschädigung für Spieler, Trainer, Platzwart, Reinigungsdienst beläuft sich für diese Nachtragsspielzeit auf rund € 25.000,00. Dazu kommen die Kosten für Schiedsrichter und Platzpflege. Es sind so gut wie keine Einnahmen zu erwarten. Reduzierte Zuschauerzahl (die meisten mit Saisonkarte), wahrscheinlich kein Kantinenbetrieb, Rückzug von Sponsoren auf Grund der sportlichen Wertlosigkeit!

Und in Tirol?

Der entscheidende Punkt ist zunächst einmal ob am 19. Mai wirklich mit einem Mannschaftskontakttraining gestartet werden kann. Denkt man daran die Partien der Hinrunde nachzutragen, gäbe es für die Ligen höchst unterschiedliche Herausforderungen puncto Anzahl der Nachtragspartien. In der Tirol Liga würde es sicherlich eng werden, aber es wäre wohl prinzipiell machbar. Allerdings kann man ja keine Prognose abgeben, ob im Juni der Nachtragsspielplan durchgezogen werden kann. Gibt es Aufsteiger, könnte man die Regionalliga Tirol durchaus auf zwölf Vereine aufstocken. Silz/Mötz, Fügen, Kundl oder der SVI würden die Regionalliga sicherlich aufwerten. Dann könnte auch von unten nachgerückt werden. Abermals ein Abbruch ohne Aufsteiger in den Ligen sollte man nicht andenken, eine weitere Halbsaison ohne Belohnung für die besten Teams wäre kein guter Start in die neue Saison 21/22, die ja dann hoffentlich wieder unter ziemlich normalen Bedingungen gespielt werden kann.

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