Martin Hofbauer: "Das ist einfach saugeil"

altEs ist eine Geschichte, die ganz Österreich bewegte und nun ein "Happy End" fand: Martin Hofbauer, 20-jähriger Kicker des UFC Miesenbach (Steiermark, 1. Klasse Ost B) musste im Frühjahr 2012 aufgrund eines Tumors an der Fußsohle der rechte Unterschenkel amputiert werden. Hofbauer kehrte im Herbst 2012 mit einer Prothese ins Team zurück und musste feststellen, dass er gar nicht Meisterschaft spielen darf. Er kämpfte für sein Recht, bekam nun von der FIFA die Spielerlaubnis und schilderte Ligaportal.at seine Gefühlswelt.

 

Ligaportal.at: Martin, viele Fußball-Anhänger österreichweit freuen sich mit Dir, dass Du es geschafft hast und ab sofort für den UFC Miesenbach auch in der Meisterschaft wieder auf Torjagd gehen darfst. Wie fühlst Du Dich?

Martin Hofbauer: "Das ist einfach saugeil, eine große Erleichterung für mich. Auch wenn ich durch die vielen Medienberichte, welche mein Schicksal an die Öffentlichkeit gebracht haben, sehr zuversichtlich war, dass es am Ende damit klappen wird. Für mich geht ein Traum in Erfüllung."

 

Ligaportal.at: Am Freitag wurde Dir die Spielerlaubnis vom Weltfußball-Verband FIFA erteilt. Wie hast Du davon erfahren?

Martin Hofbauer: "Ein Journalist der Kleinen Zeitung hat mich angerufen und es mir erzählt. Die Freude war riesengroß. Anschließend habe ich meinen Mail-Account gecheckt und ein aktuelles Mail vom ÖFB entdeckt. Darin wurde mir ebenfalls mitgeteilt, dass mir die Spielerlaubnis mit sofortiger Wirkung erteilt wurde."

 

Ligaportal.at: Wobei gesagt werden muss: Es handelt sich um keine Ausnahme-Regelung. Vielmehr hast Du es geschafft, für alle durch eine Prothese beeinträchigten Kicker weltweit die Tür zur Meisterschaft zu öffnen.

Martin Hofbauer: "Ja, das stimmt. Es gilt für alle, wobei ich vermute, dass es nicht so viele geben wird. Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals bei meinem Verein UFC Miesenbach bedanken, im speziellen bei Obmann Johann Fischer und meinem Mitspieler Stefan Schneeflock. Sie haben sich in den vergangenen Wochen für mich und mein Recht eingesetzt."

 

Ligaportal.at: Dir musste im März 2012 der rechte Unterschenkel amputiert werden, zwei Monate später hast Du erstmals eine Prothese getragen. Wie erging es Dir in dieser Zeit emotional?

Martin Hofbauer: "Die Nacht vor der Operation, wo mir klar war, dass ich den rechten Unterschenkel verlieren werde, war die schlimmste Nacht meines Lebens. Andererseits waren die Schmerzen unterträglich geworden. Ich war dann nach dem Eingriff im Frühjahr zweimal zur Reha in Frohnleiten, jeweils drei Wochen lang. Beim ersten Abschnitt lag der Schwerpunkt auf dem Muskelaufbau, in der zweiten Phase war es das Ziel, wieder laufen gehen zu können. Ich hatte es nicht für möglich gehalten. Doch es hat am Ende tatsächlich geklappt."

 

Ligaportal.at: Im vergangenen Oktober bist Du wieder ins Training in Miesenbach eingestiegen.

Martin Hofbauer: "Ja, es war schon ein spezielles Gefühl wieder trainieren zu dürfen. Ich hatte in der ersten Phase nach der Operation nicht damit gerechnet, dass ich jemals wieder spielen kann. Als ich merkte, dass es doch geht, war dann natürlich mein nächster Wunsch, auch wieder in der Meisterschaft einlaufen zu können. Mein Verein hat das wie vorhin erwähnt für mich erledigt, im vergangenen Februar damit begonnen. Es schien zunächst nicht viel weiterzugehen, erst mit dem ersten Aritkel in der Kleinen Zeitung und vielen weiteren Berichten kam der Stein dann ins Rollen. Gestern hat mich auch der ORF kontaktiert, er wird mich nächste Woche beim Training besuchen und einen Bericht drehen."

 

Ligaportal.at: Wie schauen nun Deine nächsten Ziele aus, wann sehen wir Dich in der Meisterschaft?

Martin Hofbauer: "Ich würde am liebsten sofort spielen, schon heute (Samstag, Anm. d. Red.) gegen St. Jakob/W., einlaufen. Doch ich bin noch durch die Nachwirkungen einer Grippe geschwächt, möchte demnächst wieder ins Training einsteigen und hoffe, dass ich in 14 Tagen mein Comeback in der Meisterschaft gebe. Ich will natürlich unbedingt spielen. Nicht, dass am Ende alles umsonst gewesen ist. Meine Vorfreude ist unendlich groß."

 

Ligaportal.at: Du hast in den vergangenen Wochen und Monaten bereits einige Aufbauspiele absolviert. Wie ist es Dir dabei ergangen?

Martin Hofbauer: "Ich habe im Frühjahr sechs Spiele absolviert, dreimal stand ich in der Startelf. Mein längster Einsatz hat 80 Minuten gedauert, wobei, damals wären auch 90 Minuten gegangen. Ein Tor habe ich auch schon erzielt. Ich muss nach wie vor geduldig sein, es läuft nicht immer gleich. Mal geht es gut, ein ander Mal wieder treten Schmerzen auf und ich muss vom Feld. Ich spiele nun im Sturm oder halblinks im Mittelfeld. Wobe ich mich im Mittelfeld wohler fühle."

 

Ligaportal.at: Für einen Durchschnitts-Bürger ist es schwer vorstellbar, mit einer Bein-Prothese Fußball spielen zu können. Allein dafrür, gebürt Dir schon höchster Respekt.

Martin Hofbauer: "Mein Glück im Unglück war und ist, dass der rechte Unterschenkel amputiert werden musste, ich aber immer schon ein Linksfuß gewesen bin. Passen und stoppen ist mit dem rechten Fuß auch jetzt kein Problem, gaberln geht auch. Aber einen Schuss werde ich mit der Prothese natürlich nie abgeben können."

 

Ligaportal.at: Im Zuge Deiner Rehabilitation hast Du auch den Kontakt zum Schiläufer Matthias Lanzinger gesucht, dem 2007 nach einem schweren Sturz im Super-G von Kvitfjell ebenfalls ein Unterschenkel amputiert werden musste.

Martin Hofbauer: "Ja, der Kontakt kam während der Reha in Frohnleiten über einen Zimmerkollegen bzw. dessen Vater zustande. Wir stehen nach wie vor in Kontakt. Ich habe Matthias gestern, nachdem ich von der Spielgenehmigung erfuhr, gleich angerufen. Er hat sich riesig mit mir gefreut."

 

Ligaportal:at: Wie geht es Dir gesundheitlich? Du musstest Dich im vergangenen November erneut einem Eingriff unterziehen, nachdem an der Lunge Metastasen entdeckt worden waren.

Martin Hofbauer: "Es geht mir eigentlich ganz gut. Die Chemo-Therapien habe ich absolviert, ich konnte nun schon auf Tabletten umsteigen. Die Neben-Wirkungen sind nicht so schlimm, auch im Traning erging es mir sehr gut. Ende Juni habe ich die nächste Kontrolle. Ich hoffe, dann passt alles."

 

Ligaportal.at: Du hast Dein Schicksal mit Bravour gemeistert, wir ziehen alle vor Dir den Hut. Was kannst Du Menschen mit einem ähnlichen Schickal an dieser Stelle mit auf den Weg geben?

Martin Hofbauer: "Die Einstellung ist sehr wichtig, das positive Denken, weil sehr, sehr viel von einem selbst abhängt. An meinem Beispiel sieht man: Mit Ehrgeiz ist sehr viel erreichbar."

 

Ligaportal.at: Martin, wir danken Dir für dieses ausführliche Gespräch, wünschen Dir alles Gute für Dein sportliches Comeback und für Dein weiteres Leben vor allem eines. Gesundheit!

 

Christian Reichel