Interview mit RDV-Initiator Krikler: „Österreich braucht Sportgemeinderäte“

Die in der burgenländischen Gemeinde Jois begründete Initiative „Rettet die Vereinsfeste“ hat sich zuletzt in die Regierungsverhandlungen für unsere Vereine eingebracht.  Unser Ligaportal.at-Burgenland-Chefredakteur Christian Scherry hat ein Interview mit Sascha Krikler, dem Initiator der Vereinsiniative, geführt. Dabei ging es um geplante Maßnahmen der Regierung sowie weitere Ideen um die Anliegen der Sportvereine zu stärken.



Ligaportal.at: Wie beurteilen Sie die geplanten Maßnahmen der Bundesregierung für unsere Vereine?


Krikler: Es war und ist eine größere Kernforderung unserer Vereinsinitiative, dass in Österreich endlich eine Koordinations- und Servicestelle für Ehrenamtliche entsteht. Damit kann das Freiwilligen- und Vereinswesen endlich nachhaltig zukunftsfit gemacht werden. Dieses Ziel haben wir weiterhin verfolgt. Umso mehr freut es uns, dass dieser Punkt – genauso wie einige andere wichtige Fortschritte in diesem Bereich – im Regierungsprogramm aufgenommen wurde. Unter anderem sollen auch das Gemeinnützigkeitsrecht und die steuerrechtlichen Rahmenbedingungen sollen gemeinsam mit den Betroffenen modernisiert werden. Darüber hinaus soll gemeinnützige unbezahlte Arbeit sichtbarer und eine nationale Strategie für das Freiwilligenmanagement entwickelt werden. Zudem soll auch ein zertifiziertes Ehrenamtsgütesiegel eingeführt werden, womit die staatliche Anerkennung erhöht wird. Ein großes Dankeschön gebührt dabei auch allen politischen Akteuren, die sich in den Regierungsverhandlungen für diese notwendige Stärkung des Ehrenamtes eingesetzt haben. Jetzt braucht es auch eine entsprechende Umsetzung.

Ligaportal.at: Welche Erwartungen haben Sie bezüglich der geplanten Koordinations- Beratungs- und Servicestelle?


Krikler: Grundsätzlich geht es darum, dass wir das Potenzial des Freiwilligen- und Vereinswesens optimieren und weiterentwickeln. Dieses unentgeltliche Engagement für unsere Gesellschaft ist ein unbezahlbarer Goldschatz. Dazu gehört auch, dass es endlich diese zentrale Anlaufstelle für unsere Ehrenamtlichen gibt, die aufklärt, koordiniert und hilft – besonders in rechtlichen Fragen. Hier geht es unter anderem auch um eine möglichst harmonisierte Vertretungsarbeit. Beispielsweise haben unsere Unternehmer die Wirtschaftskammer, Bauern die Landwirtschaftskammer oder Arbeitnehmer die Arbeiterkammer sowie die Gewerkschaft. Damit schaffen wir endlich eine Augenhöhe. Über 3 Millionen Menschen engagieren sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich in verschiedenartigen gemeinnützigen Vereinen oder sozialen Unternehmen für die Gesellschaft, womit wir eine große Lücke schließen.

Ligaportal.at: Wie könnte man in Österreich den Stellenwert des Sports erhöhen?


Krikler: Sport ist ein wichtiger Teil unserer österreichischen Identität, wo Helden und Legenden geboren wurden. Ob in der Formel 1 mit Niki Lauda, im Fußball mit Hans Krankl oder im Skisport mit Karl Schranz oder Annemarie Moser-Pröll. Auch in der jüngsten Geschichte standen wir vor allem im Wintersport an der Weltspitze bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen mit Persönlichkeiten wie Anna Gasser oder Marcel Hirscher. Damit unser Land weitere Erfolgsgeschichten erleben kann, müssen wir die bestehenden Strukturen weiterentwickeln. Um den wichtigen Stellenwert nachhaltig zu erhöhen und stärker in den Fokus zu rücken, muss der Sport etwa auch stärker ins Bewusstsein der politischen Verantwortungsträger auf allen Ebenen rücken. Hier müsste von Gemeindeebene ausgehend eine entsprechende Basis mobilisiert werden, um die Landes- und Bundespolitik zu notwendigen Reformen zu drängen. Vor allem unsere Kommunalpolitiker sollten hierfür entsprechend aufgewertet und eingebunden werden. Diese sind den Menschen und damit auch den zahlreichen Sportvereinen, teilweise dort auch als ehrenamtliche Funktionäre, in unserem Land am nächsten.

Ligaportal.at: Wie könnte das funktionieren?


Krikler: Österreich braucht Sportgemeinderäte – so wie es derzeit auch Jugend- oder Umweltgemeinderäte gibt. Also auch mit einer gesetzlichen Verankerung und einer entsprechenden Förderung in Kooperation mit unseren Sportverbänden. Damit könnte man auch eine gemeinsame Plattform für den Sport über die Parteigrenzen hinweg aufbauen und diesen in unseren Ortschaften noch besser verankern. Außerdem würde damit nicht nur der Austausch forciert und gezielt Bewusstsein geschaffen werden, sondern könnte auch vermehrt Ideen, Strukturprobleme und sonstige Herausforderungen auf einer sachpolitischen Ebene besprechen. Dabei könnten die Gemeinden auch voneinander lernen. Diese kommunale Sportreferenten sollten im Rahmen ihres Tätigkeitsbereiches den Sport effizient in den Mittelpunkt der Gesellschaft stellen. Wichtig wäre es, hierfür entsprechend wirksame Strukturen unter der Koordination der Politik und der Verbände zu schaffen, welcher sich etwa um die Zertifizierung kümmern.

Ligaportal.at: Vielen Dank für das Interview Herr Krikler.