Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger (77) hat aus Protest gegen den Erhalt einer Spende von einer Million Euro durch WM-Gastgeber Katar seine Ehrenpräsidentschaft im Fußballverband Rheinland (FVR) niedergelegt. Das bestätigte der langjährige FVR-Vorsitzende Walter Desch (77) am Sonntag auf SID-Anfrage.
Theo Zwanziger sieht die WM-Austragung in Katar kritisch (Foto: AFP/SID/PATRIK STOLLARZ)
Theo Zwanziger sieht die WM-Austragung in Katar kritisch
Foto: AFP/SID/PATRIK STOLLARZ

Zuvor hatte die FAZ darüber berichtet. Das Emirat hatte den siebenstelligen Betrag der FVR-Stiftung "Fußball hilft" zur Verfügung gestellt. Zwanziger ist seit vielen Jahren aufgrund der Menschenrechtsverletzungen in Katar ein scharfer Kritiker der Austragung der WM-Endrunde (21. November bis 18. Dezember 2022) im Emirat am Persischen Golf.

Mit dem zur Verfügung gestellten Geld soll von der Juli-Flut 2021 betroffenen Vereinen geholfen werden, der Stiftungsvorstand unter Führung von Desch hatte die Annahme des Geldes im Mai beschlossen. Von einem Sponsoring könne keine Rede sein: "Es ist eindeutig eine Spende."

Wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtet, werde auf Initiative von Zwanziger, von 2004 bis 2012 Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion als zuständige Stiftungsaufsicht prüfen, ob die Annahme des katarischen Geldes dem Stiftungszweck widerspreche und die Stiftung gegebenenfalls aufgelöst werden müsse.

"Eine Auflösung halte ich für unwahrscheinlich", sagte Desch dem SID am Sonntag. Der Verband werde sich in Kürze mit der Thematik befassen.

Zwanziger hatte die Stiftung mit privatem Kapital im Jahr 2010 als Theo-Zwanziger-Stiftung gegründet. Der ehemalige Regierungspräsident von Koblenz war bis zum Angebot Katars Vorsitzender des Stiftungsrats. Desch, der sich als LVR-Chef am Samstag nicht mehr zur Wiederwahl stellte, wurde auf dem Verbandstag in Trier zum Ehrenpräsidenten gewählt und bleibt Vorsitzender des Stiftungsvorstands.

 

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