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Interview mit RDV-Initiator Krikler: „Rebellion der Vereine war erfolgreich!

Die überparteiliche Initiative „Rettet die Vereinsfeste“ (RDV) formierte sich in burgenländischen Gemeinde Jois im Mai 2015, nachdem das örtliche Jugendfest von einer Anzeigenwelle gegen Ehrenamtliche erfasst wurde. Sie setzt sich seitdem für die Anliegen von Freiwilligenorganisationen und Vereinen in Österreich ein. Anfang Juli kam die österreichische Bundesregierung schließlich den Forderungen der Bürgerinitiative nach und beschloss im Zuge einer umfangreichen Gesetzesänderung vereinsfreundlichere Regelungen. Rechtzeitig zum Beginn des neuen Jahres hat ligaportal.at-Burgenland-Chefredakteur Christian Scherry ein Interview mit Sascha Krikler, dem Initiator von „Rettet die Vereinsfeste“, geführt. Dabei ging es um die Aktionen und die Bilanz der Bürgerinitiative, welche eine der treibenden Kräfte dieser Reformen zugunsten des Vereinswesens in Österreich war.

 

Ligaportal.at: Zu den Hintergründen der Bürgerinitiative. Was hat den Ausschlag gegeben, dass ihr 2015 damals diese gegründet habt?

Krikler: Wie zahlreiche andere Ehrenamtliche, wurden auch wir in Jois von der Anzeigenwelle gegen Vereinsveranstaltungen erfasst. Woraufhin uns bewusst wurde, wie fatal Gesetzeslage war, welche nicht mit den Lebensrealitäten der Menschen nicht übereinstimmte und vor allem das Leben in der ländlichen Region gefährdete. Wir haben deshalb unsere Hoffnung nach der notwendigen Veränderung der gesetzlichen Lage mit der Gründung der Bürgerinitiative Ausdruck verliehen. Vor allem nachdem wir gewusst haben, dass abgesehen von uns auch zahlreiche andere Vereine aus den verschiedensten Bereichen Opfer dieser gesellschaftsschädigenden Anzeigen wurden. Aus diesem Grund fanden sich von Beginn an zahlreiche Unterstützer auf den verschiedensten Ebenen, welche unsere Forderung nach vereinsfreundlicheren Regelungen teilten. Mit dieser breiten Plattform konnten wir die Kräfte effektiv bündeln und unser Veränderungsanliegen forcieren.

Ligaportal.at: Welche Auswirkungen und Folgen haben die Anzeigen gehabt?

Krikler: Insbesondere für die ländliche Region entstand ein gesellschaftlicher, touristischer wie auch wirtschaftlicher Schaden. Abgesehen von den zahlreichen Absagen, von welchen viele auch präventiv erfolgten, wurde zudem das Ehrenamt und die Dorfgemeinschaft beschädigt. Zahlreiche Freiwillige wurden aufgrund dieser willkürlichen Angriffe pauschal kriminalisiert, was das Gesetz damals zugelassen hat. Darüber hinaus mussten sich einige der ehrenamtlichen Anzeigenopfer einem Finanzstrafverfahren unterziehen, eine Feuerwehr im Burgenland musste etwa 33.000 Euro nachzahlen. Dadurch wurde die Bereitschaft zu ehrenamtlichen Engagement sowie das kulturelle Leben akut gefährdet. In Vereinen finden viele Menschen eine Gemeinschaft vor, welche ihnen sozialen Halt gibt – wodurch auch das gesellschaftliche Miteinander gefährdet wurde. Zusätzlich wurden auch die regionale Wirtschaft und der Tourismusstandort durch die Absagen geschwächt. Viele Unternehmen, wie beispielsweise Getränkehändler, Technik- oder Verleihfirmen, Taxiunternehmen oder auch die Künstler sowie Musiker mussten empfindliche Einbußen einstecken, wodurch auch viele Arbeitsplätze in Gefahr gebracht wurden.

Ligaportal.at: Eure Initiative hat mit zahlreichen Aktionen ein breites Bewusstsein für die Thematik geschaffen. Darüber hinaus kam es zu einer breiten überparteilichen Zusammenarbeit ausgezeichnet. Wie sahen eure Rahmenbedingungen für die Kampagne aus?

Krikler: Unsere Initiative beruht auf einem ehrenamtlichen idealistischen Engagement und hat einiges an Zeit in Anspruch genommen. Ich habe mich um die Inhalte und Koordination und mein Bruder Christoph hat sich um die graphische Ausgestaltung gekümmert. Darüber hinaus war es mir stets ein großes Anliegen die Plattform so breit wie möglich aufzubauen, weshalb mir die Miteinbeziehung von Verbänden, Vereinen und Parteien ein großes Anliegen war. Ein besonderer Dank gilt dabei einigen Unterstützern, welche uns bei der Verbreitung unserer Aktionen aktiv mitgewirkt haben und damit das öffentliche Bewusstsein für die Thematik erhöht haben, was entscheidend zum Erfolg beigetragen hat. Mittels Crowdfunding haben wir unter anderem unsere Facebook-Kampagne finanziert, mit welcher wir verstärkt das Bewusstsein in der Öffentlichkeit erhöhen konnten. Insbesondere das Burgenland war Dank eines vorbildhaften breiten Schulterschlusses auf verschiedenen Ebenen ein entscheidender Vorkämpfer für vereinsfreundlichere Regelungen österreichweit.

Ligaportal.at: Welche Reformen hat die Politik mittlerweile umgesetzt beziehungsweise auf was wartet ihr noch? Droht den Vereinen noch Gefahr?

Krikler: Mit diesem Sieg der Vernunft wurde der fatale Feldzug gegen die Ehrenamtlichen in Österreich glücklicherweise vorerst beendet. Kurz gesagt, die Rebellion der Vereine war erfolgreich und die Gesetzeslage wurde den Lebensrealitäten der Menschen wieder angepasst. Die Reformen auf Bundesebene haben endlich für Rechtssicherheit für gesorgt. Neben der Anhebung der Steuerfreibeträge, der Neudefinition der Gemeinnützigkeit, der 72-Stunden-Frist bei Vereinsfeste, der Legalisierung vereinsinterner Aktivitäten, der neuen Kooperationsmöglichkeiten zwischen Vereine und Wirten wurden auch Erleichterungen bei den Registrierkassen durchgesetzt. Sportvereinen dürfen ihre Kantinen für 52 Tage im Jahr ohne die Kassen offen haben. Zudem ist freiwilligen Helfern endlich die freiwillige und unentgeltliche Mitarbeit bei Vereinsfesten erlaubt – welche davor lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtig war, worüber nur wenige Bescheid wussten. Damit wurden viele Absurditäten auf Bundesebene glücklicherweise beseitigt. Im Burgenland wurde zusätzlich das Veranstaltungsrecht vereinfacht, eine Rechtsberatung eingerichtet und mit Informationsveranstaltungen die Vereine aufgeklärt durch das Land sowie durch die Kommunalakademie, wodurch auch eine umfangreiche Aufklärung und Hilfeleistung auf Landesebene im östlichen Bundesland stattfand.

Ligaportal.at: Wie zufrieden seid ihr mit den Erleichterungen auf Bundes- und Landesebene? Und welche Reformen wünscht ihr euch noch?

Krikler: Vereine sind wichtig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und ein unverzichtbarer Belebungsfaktor, insbesondere für die Attraktivität der ländlichen Region. Nach der Gründung der Initiative im Jahr 2015 haben wir schrittweise eine immer größere Welle ins Rollen bringen können, welche den Anliegen der Ehrenamtlichen den Rücken gestärkt haben und damit die notwendigen Gesetzesänderungen auf Schiene gebracht haben. Die im Jahr 2016 getätigten Reformen haben die Grundlage für das Fortbestehen des Ehrenamtes und eines lebendigen Vereinswesens in Österreich zunächst gesichert, worüber wir sehr froh sein können. Es zeigt, dass sich es sich auszahlt für das gesellschaftliche Miteinander zu kämpfen, auch wenn es nicht immer einfach ist. Es bleibt jedoch wichtig, die Lage weiterhin aufmerksam zu verfolgen und die Attraktivität des Ehrenamtes zu steigern statt mit ungeschickten Reformen zu gefährden. Ein ausstehendes Ziel bleibt deshalb die Installierung einer Interessensvertretung für Ehrenamtliche, welche nachhaltig deren Anliegen unterstützt und so eine weiterläufige positive Entwicklung im Sinne der österreichischen Gesellschaft sicherstellt.

Das Interview führte Christian Scherry, Chefredakteur ligaportal.at Burgenland.

 

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