Vienna eröffnet Vereinsmuseum!

Alfred Tatar und Mitropa-Cup bei der Museumseröffnung

 
Am 19. Juni, anlässlich des 100-jährigen Geburtstages der Hohen Warte, öffnet das Museum von Österreichs ältestem Fußballklub seine Pforten. Es ist das dritte Fußball-Museum in Österreich. Mit dem Vienna History Club geht ein lang gehegter Wunsch endlich in Erfüllung. 

Die Hoffnung auf ein blau-gelbes Museum gibt es schon länger. 1969 wurde die große Sehnsucht anlässlich des 75-Jahre-Jubiläums des First Vienna FC, im Buch „first vienna football club, Österreichs Fussballpionier“, erstmals zum Ausdruck gebracht.

Darin heißt es: Noch klafft die Lücke eines Sportmuseums, noch ist nicht absehbar, ob der österreichische Sport jemals in einer Sammlung Rückschau auf seine großartige Vergangenheit bieten können wird. Möge das Tagebuch der Hohen Warte ein Vorbote sein und mit seiner Chronik als Brücke von Generation zu Generation dienen. Allen jungen Menschen aber, die das große Kapitel der Hohen Warte und des österreichischen Fußballsports nicht mit eigenen Augen betrachten konnten, sollen die Aufzeichnungen einen Begriff vermitteln, weshalb immer wieder auf die „gute alte Zeit der Wiener Fußballschule“ angespielt wird, warum sich ältere Jahrgänge den Spruch zu eigen machen. Die Erinnerung ist ein Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden kann.

52 Jahre später geht der Wunsch in Erfüllung. Am Samstag feiert Österreichs sechsfacher Meister und Mitropa-Cup-Sieger von 1931 100 Jahre Stadion Hohe Warte und eröffnet sein eigenes Museum, den sogenannten Vienna History Club. Die einzigartige Begegnungsstätte im 19. Wiener Gemeindebezirk wurde 1921 mit einem 2:1-Meisterschaftssieg über den SC Hakoah eröffnet. Die sportliche, historisch-kulturelle und soziale Vielschichtigkeit der Hohen Warte machte die imposante Naturarena über die Jahrzehnte zur Kultstätte. 
Hohe Warte Gemälde

Die beeindruckende und facettenreiche Historie wird nun erstmal auch im vereinseigenen Museum veranschaulicht. Fußballliebhaber können damit die 127-jährige Geschichte des Klubs im Vienna History Club erfahren und erleben. Nach Austria und Rapid Wien ist Vienna damit der dritte Verein in Österreich, welcher der eigenen Geschichte ein physisches und örtliches Zuhause gibt.

Das Vereinsmuseum ist direkt in das umgebaute Klubhaus auf der Hohen Warte integriert. Der Vienna History Club hat ein ganz besonderes Flair. Er erinnert an einen englischen Country-Club, was mit den Ursprüngen der Vienna zu tun hat. Österreichs ältester Fußballverein wurde 1894 von den Joli-Brüdern unter Mithilfe von Briten ins Leben gerufen. William Beale, eines von zwei britischen Gründungsmitgliedern, zeichnete für das blau-gelbe Vereinslogo verantwortlich. Der springende Ball in einer charakteristischen Triskele war durch das Wappen von Beales Heimat, der Isle of Man, einer ehemaligen Pirateninsel in der Irischen See, inspiriert. Das zweite britische Gründungsmitglied hieß James Black.

Auf rund 150 Quadratmetern und Schautafeln mit rund 30 Laufmetern wird die facettenreiche Klubgeschichte liebevoll nacherzählt, von ihren Anfängen bis in die Gegenwart. Von Gründungsvater Nathaniel Mayer Anselm Freiherr von Rothschild, Spielertrainer Mark D. Nicholson, dem Bau des Stadions, dem ersten Meistertitel 1931, über die Meistermannschaft 1955 mit Hans Menasse und Johann Buzek, die Legenden Hans Krankl, Weltmeister Mario Kempes, Andreas Herzog bis hin zur Neuzeit. In den Vitrinen sind unterschiedliche Trophäen ausgestellt. Mitunter wurden diese von ehemaligen Spielern und treuen Fans aus deren Privatsammlungen zur Verfügung gestellt. Prunkstück des Museums ist die Replik des Mitropa-Cups von 1931. Die bis heute wertvollste Trophäe in der 127-jährigen Vereinshistorie wurde in monatelanger Arbeit nachgebildet. 

1931 schrieb Vienna Sportgeschichte. Es war das erfolgreichste Jahr in der Vereinsgeschichte. Nach dem Meistertitel gewann die Vienna auch den Mitropa-Cup und  feierte das Double. Der Mitropa-Cup war damals die wichtigste Klubtrophäe im europäischen Fußball, vergleichbar mit der Champions League heute.
Kapitän Vienna Mitropapokal

Alfred Tatar, der einst mit Weltmeister Mario Kempes auf der Hohen Warte gekickt und später auch auf der blaugelben Trainerbank Platz genommen hat, wird den Event am Samstag ab 14 Uhr veredeln. Einige Pässe in die Tiefe der blaugelben Historie sind damit garantiert. 
Alfred Tatar Trainer Vienna

Kurt Svoboda, Vizepräsident der Vienna: „Zukunft braucht Herkunft. Die Geschichte des ältesten Fußballvereins Österreichs ist etwas ganz Besonderes. Die blau-gelbe Familie ist Quell der Entstehungsgeschichte des österreichischen Fußballs. Darauf sind wir stolz. Mit dem Museum wollen wir das zum Ausdruck bringen und allen Menschen die Möglichkeit geben, mehr über die einzigartige Historie zu erfahren.“

Kurator des Vienna History Club ist Alexander Juraske, Publizist, Autor von „Blau-Gelb ist mein Herz“ und Vereinshistoriker. In Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung und Hauptsponsor UNIQA hat Juraske das Projekt gemeinsam mit Michael Czeschka, einem der größten Privatsammler von Vienna-Utensilien, über ein Jahr vorbereitet und umgesetzt. Das Museum hat vorerst keine „klassischen“ Öffnungszeiten. Führungen im History Club sind in Absprache mit Juraske und der Geschäftsführung individuell zu vereinbaren.

Neben historischen Superlativen gibt es am 19. Juni freilich auch sportliche Höhepunkte: Die Herren, derzeit Tabellenführer der Wiener Stadtliga, treffen um 17:30 Uhr auf SV Gerasdorf Stammersdorf. 
Die Frauen, ebenfalls Tabellenführer in der zweiten Liga, matchen sich mit Sportunion Geretsberg (19:30 Uhr). 
 
Quelle: First Vienna FC 1894 bzw. Museum Wien / Birgit und Peter Kainz
Foto: FOTObyHOFER