Update: Willi setzt die „Ballerinas“ Woche für Woche glänzend ins Bild!

Auf den Sportplätzen in ganz Oberösterreich ist er ein gern gesehener Gast und seine Bilder illustrieren die Beiträge über Frauenfußball: Willi Grinninger, der im folgenden ausführlichen Interview statt „mit Bild“ im LIGAPORTAL einmal zu Wort kommt:

 

Willi, hattest Du auch beruflich mit Fotographie zu tun?

„Nein! Leider gehörte ich zeitlebens zu den Menschen, die sich aus Fotos nichts gemacht haben. Ich besitze nur wenige Schnappschüsse von mir selbst oder der Familie, was ich heute sehr bereue“.

Was hat Dich auf die Idee gebracht, Konterfeis im Frauenfußball anzufertigen?

„Eigentlich wollte ich mir vor etwa vier Jahren, im Hinblick auf meinen Ruhestand, nur ein Hobby suchen, damit es mir dann nicht langweilig wird. Ich dachte, Fotografieren wäre vielleicht nett und schnappte meinen alten Fotoapparat, um auf Motivsuche zu gehen. Erst habe ich Blümchen und Landschaften fotografiert, doch das war nicht wirklich befriedigend.

Dann besuchte ich ein Fußballspiel der Frauenmannschaft aus Hohenzell (gegen Hochburg-Ach) und stellte fest, was für toughe „Gören“ das waren, die sich da um den Ball stritten. Nebenbei stellte ich fest, dass ich so ziemlich der einzige Zuschauer bei diesem Spiel war. Die Idee, den Frauenfußball in Bildern festzuhalten und damit ein bisschen mehr Interesse bei den Zuschauern, die nicht zum Spiel kommen wollten, zu wecken, war schnell geboren UND gab meinem Hobby einen zusätzlichen Sinn!"

 

Ist mit den Fotos im Frauenfußball mehr als ausgelastet: "Idealist" Willi Grinninger (Foto: Erwin Pils)

Bist Du auch bei Männer-Spielen auf der Foto- „Pirsch“?

„Eigentlich nicht. Ich habe dafür nicht genug Zeit, muss schon viel zu viele Frauen-Spiele „sausen“ lassen, weil ich mich nicht teilen kann (schmunzelt)"

Wie viele Spiele besuchst Du durchschnittlich an einem Wochenende mitten in der Meisterschaft?

„Zu den besten Zeiten bin ich Freitagnachmittag losgefahren und am Sonntagabend nach Hause gekommen. Ich habe da und dort übernachtet und sechs Spiele fotografiert. Manchmal waren es auch acht, wenn es mit der Anstoßzeit und der Entfernung zwischen den Spielorten gepasst hat.

In jüngster Zeit fällt mir auf, dass die Spiele alle fast zur selben Uhrzeit angesetzt werden. Da finden an einem Tag bis zu zehn Veranstaltungen statt und ich kann nur ein bis zwei davon besuchen. Das finde ich sehr schade.

In der Saison 2021/22 habe ich beispielsweise an die hundert Events (Spiele, Turniere) fotografiert. In der gerade laufenden Saison schaut es nach einem neuen Rekord aus…..!“

Nach welchen Kriterien wählst Du die Spiele aus?

„Nachdem ich eine Art Gerechtigkeitsfanatiker bin, möchte ich nach Möglichkeit alle Teams, aller Ligen, gleich oft fotografieren. Dass das nicht geht, kann sich jeder denken, denn letztlich muss ich mich nicht nur nach den Spielzeiten, sondern auch nach den Spielorten richten. Es nützt nichts, wenn ein Match um 16 Uhr in Nebelberg beginnt und ein zweites dann um 20 Uhr in Windischgarsten. Das wäre mit etwa 2 Stunden Fahrzeit dazwischen schon machbar, aber 340 Gesamt-Kilometer fahren - wegen nur zwei Spielen - ist nicht gerade wirtschaftlich“.

Kann Dich ein Verein „buchen“?

„Ja, grundsätzlich schon und es ehrt mich auch immer wieder sehr, wenn man nach mir fragt. Es zeigt mir, dass ich nicht unbeliebt bin und meine Fotos gut angenommen werden. Leider muss ich viel zu oft absagen, weil mein Plan was anderes vorsieht, aber ich habe auch schon sehr oft zusagen können. Einen Versuch ist es IMMER wert! Meine Kontaktdaten findet man auf meiner Homepage: www.kickerin.at

Übrigens, kann man mich auch für Team-Fotos (Einzel- und Mannschaftsfotos) buchen. Das haben schon einige Vereine genutzt und mache ich – wie alles – gratis und sehr gerne“.

Spielt die Entfernung von Deinem Wohnort Tumeltsham und die Witterung eine entscheidende Rolle?

„Also, die Witterung hat nie eine große Rolle gespielt. Meine Devise lautet nach wie vor: Wenn die Mädels sich dem (Un-)Wetter aussetzen, dann tue ich das auch!

Die Entfernung von mir zu den Spielorten ist mir persönlich egal. Natürlich bedeuten größere Entfernungen auch mehr Zeitaufwand. Problematischer sind die Entfernungen zwischen den Spielstätten, wie schon erwähnt.

Übrigens fahre ich heimwärts immer viel schneller als zu den Spielen hin, weil ich es meist nicht erwarten kann, die gemachten Bilder anzuschauen“.

Hattest Du auch schon unliebsame Erlebnisse auf Deinen Foto-Safaris, wurdest Du von Vereinen abgelehnt, als „Spion“?

„Ich wurde noch nie abgelehnt, von keinem Verein. Ich habe mich anfangs sehr vorsichtig an das Fotografieren am Platz herangetastet, um niemanden auf die „Zehen zu treten“. Das verlangt gutes Benehmen und viel Fingerspitzengefühl! Vor allem den Spielerinnen gegenüber. Ich habe niemals unvorteilhafte Schnappschüsse oder anderweitig kompromittierende Fotos ins Internet gestellt. Ich stelle die Athletinnen und ihren Körper nicht zur Schau, sondern versuche zu zeigen, wie engagiert und motiviert die Kickerinnen an ihr Werk gehen. Ich glaube, dass man das schätzt.

Mittlerweile kennt man mich im ganzen Land und begrüßt mich oft per Handschlag oder sogar durch den Stadionsprecher. Ja,ich hatte schon viele sehr angenehme und positive Erlebnisse.

Für einen Spion wurde ich auch schon gehalten. Und zwar, als der LASK auf Kadersuche war und sich bei den anderen Vereinen umsah, da wurde ich mit meinem Fotoapparat schon etwas misstrauisch beäugt. Vor allem in Kleinmünchen, aber das muss man schon auch verstehen. Da bin ich keinesfalls nachtragend“.

Triffst Du bei Deinen Touren auch auf gleichgesinnte Foto-Enthusiasten?

„Foto-Enthusiasten gibt es fast in jedem Verein, denn die sozialen Medien wollen ständig bedient werden und das ist gut so. Ich selbst stöbere irrsinnig gerne auf den Facebook- und Instagram-Seiten der Vereine.

Aber ein echter Enthusiast ist wohl mein Freund Alex Matzka aus Stockerau, der die Sportplätze in ganz Österreich besucht und auf seiner Homepage in Bildern und Worten dokumentiert. Manchmal kreuzen sich unsere Wege, was mich jedes Mal außerordentlich freut“.

Wie kommst Du mit den Unkosten zurande?

„Naja, ich habe ein Hobby und Hobbies kosten halt Geld. Damit muss ich klarkommen. Mehr als ich habe, kann ich eh nicht ausgeben. Die Spritkosten beispielsweise, belaufen sich im heurigen Jahr auf etwa 1.500 Euro. Ein Service bei der Kamera oder einem Objektiv kostet fast das gleiche. Gott sei Dank, steckt mir hie und da jemand etwas Spritgeld zu…(schmunzelt)"

Wenn Du mit Deiner Ausbeute heimkommst, wie bewältigst Du die große Anzahl der Bilder?

„Also pro Spiel fallen etwa 700 bis 1200 Bilder an. Kommt darauf an, wie actionreich das/die Spiel(e) waren. Bei einem Turnier können das schon mal 3.500 sein. Zuerst werden diese auf den PC geladen und dann die besten ausgesucht (ca. 10% davon). Diese müssen dann erst „entwickelt“ werden, bevor sie als „Galerie“ auf meine Webseite hochgeladen werden (ich fotografiere in RAW, das sind unfertige Dateien, aus denen erst Bilder gemacht werden müssen). Alle geschossenen Bilder werden dann nach Saison und Spiel archiviert. Während dieser Tätigkeit kann es schon vorkommen, dass ich zwischendurch ins Bett falle und nach der einen oder anderen Stunde Schlaf, mitten in der Nacht, wieder aufstehe und weiter mache. Das ist das Schöne am Ruhestand, dass es keine Rolle spielt, wann man schläft und wann man arbeitet“.

Auf Deiner Homepage: www.kickerin.at sind dann die besten Schnappschüsse zu bewundern, hast Du einen Überblick über die User?

„Es gibt ein paar wenige Statistiken, die ich beobachte. Das sind die Besuchszahlen meiner Webseite, die Anzahl der Aufrufe der Galerien (jede Galerie enthält ein Spiel) und die Likes bei Facebook und Instagram. Ich freue mich übrigens immer sehr über Freundschaftsanfragen…(Viel mehr, als über die vielen Hackerangriffe, denen ich ständig ausgesetzt bin (seufzt)".

Seit wann gehst Du dieser Profession nach, was hat sich seither verändert im Frauenfußball in OÖ?

"Ich mache diesen Traum-Job seit der Saison 2019/20. Die Fotos aus dieser Zeit sind aber nicht „salonfähig“ geworden und einer Veröffentlichung nicht würdig. So wie ich mich im Laufe der Jahre verbessert habe, so hat sich auch der Frauenfußball weiterentwickelt. Seit 2019 ist nicht wirklich viel Zeit vergangen. Große Veränderungen kann es in diesem Zeitraum natürlich nicht gegeben haben, aber dennoch: Dieser Zug rollt und scheint keine Bremsen zu haben! Die größte Veränderung, meiner Meinung nach, ist die steigende Akzeptanz des Frauenfußballs.

An dieser Stelle ein Hinweis für alle Skeptiker: Frauen spielen nicht den Fußball, den die Männer spielen. Sie spielen ihren Fußball und akzeptieren dabei die einst von Männern festgelegten Spiel-Regeln. Dabei brauchen sie keine kleineren Tore, keine kleineren Spielfelder oder sonstige Erleichterungen. Weil sie es können, halt auf ihre Weise!"

Womit bist Du in der fußballfreien Zeit beschäftigt, wofür nimmst Du Dir jetzt Zeit?

„Es gibt immer etwas an der Ausrüstung zu tun. Auch sind im Winter Hallenturniere, die ich sehr gerne besuche, auch schon Anfang Jänner. Manche Vereine darf ich mit Einzelfotos der Spielerinnen und natürlich mit Mannschaftsfotos bedienen. Dafür ist die spielfreie Zeit bestens geeignet. Es ist auch die Zeit, um die eigenen Akkus wieder aufzuladen“.

Welche Wünsche hast Du für die Zukunft?

"Für die Zukunft wünsche ich mir nur, dass ich dieses Hobby in gesundheitlicher Hinsicht noch lange ausüben kann, weil ich mir keine bessere, aufregendere, spannendere und schönere Tätigkeit vorstellen kann. Und, dass meine Lieblings-Mädels Meister werden. Und, dass der Sprit wieder billiger wird. Und, dass mehr Leute zum Frauenfußball gehen. Und, dass meine Bilder besser werden. Und, dass du, lieber Helmut, noch lange im Ligaportal über den Frauenfußball schreiben wirst. Bitte!"

Danke, lieber Willi, für Deine Geduld und Deine wertvolle Zeit, ich habe in unserem Gespräch wieder viel dazugelernt!

Helmut Pichler

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