SV Attersee: "Geisterspiele waren bislang eine Bestrafung, plötzlich braucht man sie zum Überleben"

Der SV Attersee sammelte in der Hinrunde der 2. Klasse Süd lediglich sechs Punkte und belegte den zwölften Platz, die Nagel-Elf wurde im Herbst aber die "Rote Laterne" los. Der SVA wollte sein Punktekonto im Frühjahr erheblich aufstocken, aufgrund der Corona-Krise darf der Ball aber auch rund um den Attersee nicht rollen. Der stellvertretende Sektionsleiter, Walter Mairinger, nahm sich für Ligaportal Zeit für ein Interview und beantwortete aktuell interessante Fragen.

 

Herr Mairinger, wie beurteilen Sie die aktuelle Situation bzw. wie lange wird die Krise dauern?

"Die Regierung hat richtig gehandelt, weshalb in Österreich die Situaion gegenüber anderen Ländern den Umständen entsprechend gut ist. Derzeit muss sich jeder Einzelne selbst an die Nase fassen und die Regeln befolgen, bis Sommer werden wir aber mit Einschränkungen leben müssen".

In der aktuellen Situation kann man erkennen, dass aufgrund der Vielzahl an kommunikativen Möglichkeiten es relativ einfach ist, die Menschen – mit positiven oder negativen Ideen bzw. Maßnahmen – gezielt in eine Richtung zu steuern. Ist die die totale Digitalisierung Fluch oder Segen?

"Alles im Leben hat Vor- und Nachteile, demnach kursieren derzeit auch viele Fehlinformationen. Es gibt eine Fülle an Möglichkeiten, viele davon sind sehr nützlich. Zum Beispiel ermöglichen Videkonferenzen eine weltweite Kommunikation, weshalb es nicht notwendig ist, aufgrund einer Entscheidungsfindung in andere Länder zu fahren bzw. rund um den Erdball zu fliegen".

Kann im Amateurbereich der Trainings- und Spielbetrieb im Frühjahr wieder aufgenommen werden bzw. wann glauben Sie, wird der Ball wieder rollen?

"Im Sport werden die Maßnahmen vermutlich erst zum Schluss gelockert, weshalb im Frühjahr voraussichtlich nichts mehr gehen wird. Demnach wird der Ball wahrscheinlich erst im Sommer wieder rollen".

Wie ist Ihre Meinung zu folgenden möglichen Szenarien?

- Ordnungsgemäße Fortsetzung bzw. das Ende der Saison im Sommer, Herbst oder nächsten Frühjahr?
  "Man darf nicht ewig warten. Die Fortsetztung der Saison im nächsten Frühjahr halte ich für ausgeschlossen und sogar für gefährlich. Denn wenn ein ganzes Jahr lang nicht gespielt werden kann, werden viele Spieler aufhörern und vor allem Nachwuchskicker zu anderen Sportarten wechseln".

- Umstieg auf eine Saison nach dem Kalenderjahr?
  "Ich bin ein absoluter Befürworter einer Meisterschaft nach dem Kalenderjahr. Denn nach einem Umstieg könnten wir endlich auch dann spielen, wenn die Plätze im besten Zustand sind".

- Entscheidung der Auf- und Abstiegsfrage in Form von Play Offs. Die Ligen werden geteilt, die Mannschaften im jeweiligen Play Off nehmen die Ergebnisse aus den direkten Duellen vom Herbst mit und und bestreiten nun die Rückspiele?
  "Von einer Meisterschaft in der üblichen Form müssen wir uns verabschieden, demzufolge sind Play Offs eine Überlegung wert. Allerdings ist in den 2. Klassen das Untere Play Off alles andere als reizvoll, denn es geht weder um einen Titel noch um den Klassenerhalt, somit hätten die Partien lediglich Testspielcharakter".

- Wertung nach dem aktuellen Tabellenstand?
  "Wir haben erst Halbzeit, demnach wäre diese Entscheidung nicht fair."

- Die Herbstmeister steigen auf, es gibt jedoch keine Absteiger. In diesem Fall müssen die Ligen aufgestockt werden?
  "Auch diese Option finde ich nicht gut. Ich bin kein Freund einer Aufstockung, denn damit würde man den bereits vollen Terminkalender weiter strapazieren. Zudem hätten die Vereine - vor allem jene in den 2. Klassen - wesentlich weitere Wegstrecken zu bewältigen."

- Komplette Annullierung der Saison?
  "Auch wenn aufgrund der Statuten vermutlich so entschieden wird, ist diese Option von Fairness weit entfernt. Denn damit würde mann die Herbstmeister bzw. Leistung bestrafen".

- Annullierung der Meisterschaft, die individuellen Leistungen der Mannschaften werden aber nicht gelöscht, die Teams nehmen die im Herbst gesammelten Punkte in die nächste Saison mit?
  "Der Verband tut sich vermutlich schwer, zwei Saisonen zu mischen. Aber in Zeiten wie diesen ist uns bewusst geworden, dass wir uns einer außergewöhnlichen Situation anpassen bzw. fügen müssen. Diese Option rückt die Fairness in den Vordergrund und steht somit ganz weit vorne".

Werden Amateur-Vereine die Krise nicht überstehen bzw. wird die Anzahl der Spielgemeinschaften steigen?

"Spielgemeinschaften gibt es seit längerer Zeit, die aktuelle Krise wird diese Form vermutlich beschleunigen".

Finden Sie es richtig, dass die Profiligen die Meisterschaft aus rein finanziellen Gründen - mit Geisterspielen - fortsetzen wollen bzw. sollten die Klubs vielleicht einen Schritt zurückmachen und der Fußball zu seinen Wurzeln zurückkehren?

"Es ist erstaunlich, wie sich die Meinung bzw. Wahrnehmung ändern kann. Bislang war es üblich, Vereine für Vergehen mit Geldbußen, aber auch Geisterspielen zu bestrafen. Plötzlich brauchen die Klubs Geisterspiele zum Überleben bzw. sehen darin eine Chance. Aus wirtschaftlichen Gründen ist der Profifußball gezwungen, diesen Weg zu gehen, aber die Vereine müssen schleunigst umdenken und künftig eine andere Richtung wählen".

 

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